Vom Weltenschöpfer zum Weltenmacher
Die Kunst hatte sich in den vergangenen Jahren zum Spekulationsobjekt gewandelt, der Markt, verkörpert durch Sammler und Galeristen, die wie Ratingagenturen fungieren, bestimmte ihren Wert. Eine einst dem Kunstwerk zugeschriebene Erhabenheit ging dabei verloren, der Künstler entwickelte sich vom Schöpfer zum Macher.
Hanno Rauterberg analysiert unter der Bedingung der Krise die parallelen Strukturen zwischen Kunstmarkt und Börse und welche Rückwirkung die Entwicklung auf die Kunst selbst und die Figur des Künstlers hatte und hat.
“Das Machen als solches ist nicht länger ein Zeichen der Vitalität; spätestens jetzt, in der Krise, braucht das Machen eine Begründung, ein sinnvolles Ziel. Denn so gnadenlos aktiv waren die Macher der Finanzwelt, so ungemein findig und kreativ, dass man erst einmal genug hat vom planlos planvollen Drauflos.”
Die derzeitige Krise auf dem Kunstmarkt könnte, so hofft Rauterberg, die Ästhetik des Kunstwerks wieder zum bestimmenden Faktor seines Wertes erheben.
Hanno Rauterberg: Risse im Bild. Die Zeit, Nr. 17, 16. April 2009