Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz über den Niedergang des Journalismus: “Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld. Sein Hauptgeschäft ist nicht mehr der s […]
Früher waren es die Adressbücher, die als Ausgangsbasis für politische Verfolgung dienten, heute kann es der Facebook-Account werden. So mussten die Ägypter Esraa Abdel Fattah Ahmed Raschid und Ahmed Maher die Gründung der Gruppe “April 6 Youth Movement” auf Facebook, in der sie sich mit streikwilligen Industriearbeitern solidarisierten, mit […]
35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind noch immer digitale Außenseiter, wie eine Studie der Initiative D21, einer Partnerschaft von Politik und Wirtschaft zur Stärkung der Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert, feststellt. Das Durchschnittsalter der Internetverweigerer liegt ihrzufolge bei 62,4 Jahren. Dass die Internetnutzung vor allem eine […]
Thierry Chervel, Gründer und Chefredakteur des Perlentaucher, zu dem von FAZ und Süddeutscher geäußerten Vorwurf, dass seine Presseschau sich der Arbeit anderer Leute bediene: “Es stimmt natürlich, dass wir von der Arbeit anderer Leute leben – so wie Journalismus immer von der Arbeit anderer Leute lebt. Was ist es anderes beim Feuilleton oder be […]
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung: “Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen […]
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschlands: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünft […]
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]
Unter dem Druck der wirtschaftlichen Gegebenheiten oder geglaubten Gegenheiten knickt die Politik in der Wirtschaftskrise ein, Sparmaßnahmen, die jahrelang ein zähes Verhandeln zwischen allen Beteiligten, der Wirtschaft, den Gewerkschaften, dem Staat, den Angestellten und verschiedenen Parteien vorausgesetzt hatten, werden nun im Angesicht der Krise und der angenommenen Zwangslage über Nacht beschlossen, diktiert und umgesetzt. Die Tagesagenda hat über die Demokratie gesiegt.
14.00 Uhr, Phoenix: Verzockt, verloren, verstaatlicht… Was kostet uns die Hypo Real Estate? Dokumentation. D 2010, Regie: Michael Haselrieder, Karl Hinterleitner
20.15 Uhr, ZDF: Der Mann aus der Pfalz. Helmut-Kohl- Biographie. D 2009, Regie: Thomas Schadt
22.00 Uhr, Arte: Insel der grünen Träume. S 2009, Regie: Claudia Buckenmaier. 22.30 Uhr: Aufstand in Island (Gud Blessi Island). Dokumentarfilm. D 2009, Regie: Helgi Felixsson (Themenabend zur Wirtschaftskrise in Island)
23. 00 Uhr, 3sat: Kometen. D 2005, Regie: Till Endemann
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalten werden können, die Arbeiter hätten mit ihren Gewinnen die eigenen Abfindungen erwirtschaftet. In dem Dokumentarfilm The Take hatte Naomi gemeinsam mit ihrem Mann Avi Lewis im Argentinien der Wirtschaftskrise die Übernahme einer Fabrik durch Arbeiter begleitet.
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie.
Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehlte es gerade noch, dass es bei ihnen zugeht wie beim ZDF - dass also die politischen Parteien glauben, sie könnten sich nicht nur den Chefredakteur beim ZDF, sondern auch noch den bei der taz aussuchen.” Zugleich räumt er auf mit der unsinnigen Debatte über guten Journalismus und schlechte Blogs und fordert stattdessen wieder Verleger und Journalisten, die Haltung und Leidenschaft beweisen, in welchem Medium auch immer sie publizieren.
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Regeln schaffen, die alle am Markt Beteiligten wieder mehr zur Verantwortung zögen. Dies gilt für Banken, die risikobehaftete Kredite in undurchschaubaren Papieren verbrieften und weiterverkauften, gleichermaßen wie für Anleger, die nur auf die Rendite schauten, ohne zu hinterfragen, wie sie erwirtschaftet werde.
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer Sicherheiten bieten und Eigentum verpfänden kann, erhält Kredit oder wie Woody Allen es ausdrückte: Banken sind Institutionen, die Geld an Leute verleihen, die nachweisen können, dass sie es nicht brauchen. Wer auf die Sicherheiten verzichtete, ließ es sich mit hohen Zinsen bezahlen.
Heinsohn entlarvt unsere Marktwirtschaft als das, was sie eigentlich ist, keine – wie oft suggeriert wird – vom Tauschhandel herrührende Produktions- und Geldwirtschaft mehr, sondern vielmehr eine “Eigentumswirtschaft”, bei der nicht der Besitz und optimale Tausch von Gütern Mehrwert schaffen, sondern Eigentum und Verfügbarkeit die Grundlage für ein Wirtschaften bilden, das nur nur durch permanente Innovation vor dem stets drohenden Ruin gerettet werden kann.
In der "NZZ" sucht Graham Swift das Bleeding Heart von Dickens' London. Die "Welt" rät von Elternratgebern ab. Die "FAZ" stimmt auf die Berlinale ein und stellt fest: Jeder Stummfilm hat mehr Klang als 3-D-Filme Tiefe.
In der "Welt" verabschiedet Martin Andree den "Digital Dream" von einer Demokratisierung der Welt durch das Netz. Der "Guardian" schreibt über Alain de Bottons Idee eines atheistischen Tempels. Alle Zeitungen trauern um Wislawa Szymborska.
"Die Zeit" begibt sich auf die Suche nach einer jungen Frau, die auf dem Kairoer Tahrir-Platz brutal von Polizisten zusammengeschlagen wurde. Anlässlich von Mark Greifs Lesereise durch Deutschland beschäftigen sich "Jungle World" und "Freitag" mit dem Hipster.
Die "SZ" schlägt die Hände über den Kopf zusammen über Helmut Dietls Berlin-Satire "Zettl". Die "FAZ" ist einverstanden mit der Polemik des CDU-Abgeordneten Ansgar Heveling gegen das Web. Und im "Handelsblatt" antwortet Frank Rieger vom Chaos Computer Club auf Hevelings Artikel.
Aufschrei im Netz: Aufregung über eine Polemik des CDU-Politikers Ansgar Heveling im "Handelsblatt", der das "geistige Eigentum" mit Rekurs auf die Französische Revolution verteidigt. "Carta" veröffentlicht einen "ergreifenden" Brief des ZDF-Hierarchen Elmar Theveßen an seine Kollegen.
Jonathan Franzen erklärt im "Telegraph", warum Kapitalisten gedruckte Bücher hassen. Die "FAZ" ist sich uneins über den Kapitalismus. Die "Welt" stellt das Leipziger Architekten-Team Karo vor, das sich mit dem Leerstand in Ostdeutschland auseinandersetzt.
In der "taz" besteht Reyhan Sahin darauf, dass sie zugleich Professorin und Lady Bitch Ray sein kann. Die "FAZ" träumt vom Anarchismus, die "SZ" beobachtet, wie er totdiskutiert wird. Alle sind beeindruckt von Marcel Reich-Ranickis Rede im Bundestag.
"Wir schaffen es nicht, uns von uns selbst zu befreien", seufzt Michail Schischkin in der "NZZ". Julian Assange kooperiert mit einem Kreml-treuen Sender, weiß die "taz". Die "SZ" sieht Lana Del Rey als "erzkonservative Männerphantasie". Nein, sie inszeniert sich selbst, widerspricht die "Welt".
Die "Welt" und alle anderen würdigen Theo Angelopoulos, der bei einem Unfall starb. Im "Freitag" annoncieren die neuen Macher des "Merkur", dass sie bald ein Blog eröffnen. Gegen das Internet kann man sowieso nichts mehr machen, konstatiert die "Zeit". Und die "FAZ" würdigt, was in Retro überlebt.
Die "Welt" lernt in Frankfurt am Main die Sprache der Revolution sprechen. Die "FR" hätte sich statt Helmut Dietls Berlin-Film "Zettl" lieber eine Satire über Hannover gewünscht. Die "SZ" erklärt den Wandel von der Leistungs- zur Performance-Gesellschaft.
In der französischen "Huffington Post" attackiert Caroline Fourest den tunesischen Präsidenten Moncef Marzouki. Wer sich für Freiheit im Netz einsetzt, arbeitet dem Kapital in die Hände, findet der "Tagesspiegel". Die "SZ" staunt über Hans Holbeins Schutzmantelmadonna in Schwäbisch Hall.
Die "Welt" kann mit Friedrich dem Großen ehrlich gesagt nicht so viel anfangen. Die "taz" porträtiert die große chinesische Autorin Eileen Chang und die "NZZ" den Schriftsteller und Psychiater Ion Vianu. Die Sarah-Kane-Trilogie in München findet fast überall Anklang.
In der "Welt" fragt Georg M. Oswald: Nutzen die Wutbürger der Demokratie? In der "SZ" erklärt Georges-Arthur Goldschmidt, warum das Deutsche eine Untertanensprache ist. Gibt es überhaupt noch echte Kunst, fragt die "FAZ" nach der neuesten Fälschung.
"Nachhaltig ist das neue Gottgefällig" meint Richard Kämmerlings in der "Welt". Bundesbauminister Ramsauer möchte das Berliner Marx-Engels-Denkmal verschwinden lassen - die "taz" kommentiert. Die "NZZ" analysiert die in Dresden herrschende Barock-Ideologie.