Suhrkamp-Umzug: Kommod über die eigene Bedeutung hinausleben
Suhrkamp plant, nach Berlin zu gehen. Führt dies zu einer Provinzialisierung, einer literarischen Verwaisung Frankfurts? Der Schriftsteller Thomas Hettche, selbst von Frankfurt nach Berlin umgesiedelt, wundert sich über die Diskussion zur Verlegung des Verlagssitzes. Zwar ziehe es viele Schriftsteller aus ökonomischen Gründen nach Berlin, wo sie die Freiheit besäßen, “kommod über die eigene Bedeutung” hinaus leben zu können, die literarische Infrastruktur sei hingegen überreich in Frankfurt angesiedelt, “denn hier verlässt man die Sphäre des symbolischen Kapitals”. Hier trumpft Frankfurt mit mehreren bedeutenden überregionalen Tageszeitungen, Verlagshäusern und der Buchmesse auf. Thomas Hettche träumt einen Traum vom literarischen Frankfurt, dem es gelänge, sein Potential besser zu nutzen und statt der literarischen Produktion das “System Literatur” selbst mit seinen eigenen Debatten und seinem möglichen Raum für Utopisches und Luxuriöses in den Mittelpunkt zu stellen.
Thomas Hettche: Unser Literaturlabor heißt Frankfurt. FAZ, 17. März 2009
Weitere Links zum Thema:
- Mathias Schreiber: Respekt, Frau Verlegerin! Der Spiegel, 19. Februar 2009
- Andreas Maier: Die Wetterau ist die Welt. Die Zeit, Nr. 8, 12. Februar 2009
- Dirk Knipphals: Suhrkamp-Verlag zieht nach Berlin. Mal Bürger, mal Revoluzzer sein, taz, 9. Februar 2009
- Suhrkamp-Verlegerin Unseld-Berkéwicz: “Wir planen den Umzug zur Jahreswende” (Interview). FAZ, 7. Februar 2009
- Michael Hierholzer: Frankfurt und die Suhrkamp-Kultur. FAZ, 3. Februar 2009