TV-Tipps
Sommerpause
Sa., 31. Juli 2010

Zur Zeit keine TV-Tipps! Baden gehn!! Freunde treffen!!!


Zitat des Tages: Spekulation mit Halbgarem
15. Juni 2010
Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz über den Niedergang des Journalismus: “Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld. Sein Hauptgeschäft ist nicht mehr der s […]

In der Folterkammer sozialer Netzwerke
1. Juni 2010
Früher waren es die Adressbücher, die als Ausgangsbasis für politische Verfolgung dienten, heute kann es der Facebook-Account werden. So mussten die Ägypter Esraa Abdel Fattah Ahmed Raschid und Ahmed Maher die Gründung der Gruppe “April 6 Youth Movement” auf Facebook, in der sie sich mit streikwilligen Industriearbeitern solidarisierten, mit […]

Huch, ich bin digitale Avantgarde!
19. März 2010
35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind noch immer digitale Außenseiter, wie eine Studie der Initiative D21, einer Partnerschaft von Politik und Wirtschaft zur Stärkung der Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert, feststellt. Das Durchschnittsalter der Internetverweigerer liegt ihrzufolge bei 62,4 Jahren. Dass die Internetnutzung vor allem eine […]

Zitat des Tages: Hammerklavier-Sonate
15. März 2010
Thierry Chervel, Gründer und Chefredakteur des Perlentaucher, zu dem von FAZ und Süddeutscher geäußerten Vorwurf, dass seine Presseschau sich der Arbeit anderer Leute bediene: “Es stimmt natürlich, dass wir von der Arbeit anderer Leute leben – so wie Journalismus immer von der Arbeit anderer Leute lebt. Was ist es anderes beim Feuilleton oder be […]

Internetnutzung - ein Grundrecht
9. März 2010
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]

Zitat des Tages: Kannibalismus
9. März 2010
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung: “Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen […]

Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung
4. März 2010
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]

Kerben im Ozean
25. Februar 2010
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]

Ein Lob auf die Intertextualität
25. Februar 2010
Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel. Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25. Februar 2010 Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, […]

Zitat des Tages: Hacker
19. Februar 2010
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]

Zitat des Tages: Aldisierung
17. Februar 2010
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschlands: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünft […]

Zitat des Tages
17. Februar 2010
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]

Produktion ohne Logo
12. Juni 2009
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]

Leidenschaft statt Larmoyanz
8. Juni 2009
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]

Berliner Trauerspiele
8. Juni 2009
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]

Barack Obama: Assalaamu alaykum
5. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]

Von Menschen und Kühen
3. Juni 2009
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]

Mehr Verantwortung bitte!
29. Mai 2009
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]

Warum auch eine Nullzinspolitik nicht hilft
23. Mai 2009
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]

Digitalisieren ja, Download nein
14. Mai 2009
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]

Film

Junebug

Ein Maikäfer bringt eine junge Ehe in Gefahr und erscheint dann doch nicht. Ein autodidaktischer Künstler malt weiße Sklaven, und eine Familie aus den Südstaaten trifft die neue Schwiegertochter. Und das alles in North Carolina.

Junebug

Junebug, Maikäfer, will die hochschwangere Ashley (Amy Adams) ihr Kind nennen, wenn es ein Mädchen sein sollte, aber ob es so ist, das weiß sie noch nicht wirklich, das will sie auch gar nicht wissen. Denn Ashley ist religiös und will sich überraschen lassen. Dass dieses Junebug für ihren Mann Johnny (Ben McKenzie), der mit ihr noch immer bei seinen Eltern wohnt und eine pubertäre Null-Bock-Mentalität pflegt, sicher ganz andere Bedeutungen hat – man denke nur an die virale Bedeutung des Computer-Bug –, sei einmal dahingestellt.

Wie die vergangenen US-Wahlen zeigten, geht ein Riss durch die Vereinigten Staaten von Amerika. Einem christlich-religiös geprägten republikanischem mittleren Westen und Süden, den „red states“, stehen die demokratisch, weltoffen und städtisch orientierten „blue states“ der Küstengebiete und großen Städte gegenüber. Es ist eine weltanschauliche Grenze, die sie voneinander trennt. Hier setzt Regisseur Phil Morrison an und spielt mit Junebug einen Zusammenprall der Kulturen im eigenen Land als Familientragikomödie durch, wobei er zugleich ein modernes Historiengemälde der gegenwärtigen Vereinigten Staaten zeichnet.

Eigentlich geht es der weltgewandten Kunsthändlerin Madeleine (Embeth Davidtz) weniger darum, die Familie ihres frisch angetrauten Gatten George (Alessandro Nivola) kennenzulernen. Doch wohnen sein Bruder Johnny und Ashley, die skeptische, schlecht gelaunte und herrische Mutter Peg (Celia Weston), sowie der schweigsame Vater Eugene Johnsten (Scott Wilson) zufälligerweise nicht weit entfernt von dem leicht irren, autodidaktischen Maler David Wark (Frank Hoyt Taylor), den Madeleine für ihre Galerie in Chicago verpflichten will. Ein Familienbesuch scheint also angesagt. Allerdings prallen hier Welten aufeinander, die trainierte Gewandtheit im Umgang mit Menschen prallt an den engen Grenzen der christlichen Landkonventionen ab.

Die gescheiterte, widersprüchliche und nicht ihr Ziel findende Kommunikation zieht sich dabei wie ein roter Faden durch das gesamte Werk. Schon die ersten Bilder zeigen Menschen vor einer Waldlandschaft, die wie Brüllaffen ein unartikuliertes Jaulen von sich geben. Es handelt sich dabei angeblich um eine folkloristische Tradition North Carolinas, die auf eine Zeit zurückgeht, zu der noch viel Land zwischen den Nachbarn lag und sich ein Gespräch am Gartenzaun schwierig gestaltete. Von dieser ursprünglichen Kulturleistung ausgehend, lenkt Morrison den Blick auf die Rufe der modernen Gesellschaft der Großstadt: Preisgebote im Rahmen einer Kunstauktion. Beide Gesellschaftsformen treffen sich in ihren jeweils eigenen Urschreien und illustrieren zugleich die Unmöglichkeit eines Verständnisses untereinander.

Doch betreibt Junebug weder bittere Satire noch eine simple Schwarz-Weiß-Malerei. Vielmehr kriegen beide Teile der Gesellschaft gleichermaßen ihr Fett weg. Der Film nimmt die städtische Kunstgesellschaft mit ihrer professionalisierten Freundlichkeit und ihrer Vorliebe für die urwüchsige, sexistische Bürgerkriegsmalerei des vor Ort gemiedenen David Wark ebenso aufs Korn wie Plüsch, Babyparties und den Antisemitismus der Landbevölkerung. Etwaige Skandale bleiben dem Zuschauer erspart, nicht jedoch Einfühlung und dramatische Wendungen. Das Großartige an Junebug ist sein humorvoller, fast zärtlicher Umgang mit den Eigenheiten der Figuren, die für genuin amerikanische Polaritäten stehen. Jeder der Charaktere ist aus sich selbst heraus zu begreifen. Beide Welten bleiben bis ins Letzte glaubhaft, authentisch, direkt liebenswert in ihrer Eigenheit.

Detailgetreu inszeniert Morrison die Laster seiner Figuren in einer Art, die an Woody Allen oder Pedro Almodóvar erinnert: die Zigarettensucht der Mutter, den Heißhunger der schwangeren, ununterbrochen plappernden Ashley ebenso wie den Handwerkerfimmel von Vater und Sohn, allesamt Ersatzbefriedigungen – Sex hat hier nur das Stadtpaar. Diese Ersatzbefriedigungen würzen den Film auch dialogisch und verleihen ihm dank des hervorragenden Drehbuchs von Angus MacLachlan eine pikante Note: „Where would I be, if I was a screwdriver?“, fragt sich Eugene, und Ashley verlangt im Krankenhaus: „Nuts, I want some nuts.“ Phil Morrison ist ein schon mit vielen Festivalpreisen gewürdigtes stimmiges Werk gelungen.

Junebug
USA 2004
Regie: Phil Morrison

Kinostart: 01.03.2007

Veröffentlicht auf: critic.de, 25. Januar 2007

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