Eurokrise: Spanien unter Druck
Der spanische Schriftsteller Rafael Chirbes stellt der sozialdemokratischen Regierung seines Landes unter José Luis Zapatero kein gutes Zeugnis aus. Der Sparwahn greift um sich, mit dem Ziel, den Euro vor der Spekulation zu retten und die Staaten vor dem Bankrott. Da vertreten auch linke Politiker, von Brüssel und Washington D.C. aus ermahnt, Maßnahmen, die mit ihrer eigenen Agenda nichts mehr zu tun haben.
Unter dem Druck der wirtschaftlichen Gegebenheiten oder geglaubten Gegenheiten knickt die Politik in der Wirtschaftskrise ein, Sparmaßnahmen, die jahrelang ein zähes Verhandeln zwischen allen Beteiligten, der Wirtschaft, den Gewerkschaften, dem Staat, den Angestellten und verschiedenen Parteien vorausgesetzt hatten, werden nun im Angesicht der Krise und der angenommenen Zwangslage über Nacht beschlossen, diktiert und umgesetzt. Die Tagesagenda hat über die Demokratie gesiegt.
Rafael Chirbes: Spanien in Not: Mit den Kannibalen am Tisch, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ), 27. Mai 2010
Da kann man aber mal deutlich sehen, wie schnell Politiker Entscheidungen treffen können, wenn es darauf ankommt. Aber sehr grausam ist im Gegensatz zu sehen, wie weit notwendige Entscheidungen hinausgeschoben werden, nur um parteiliche oder wahlkampftechnische Ziele zu verfolgen.