Die statistische Normaldepression der Medienleser
Thomas Strobl beleuchtet mit Niklas Luhmann den Anteil der Massenmedien an der gegenwärtigen Krise. Die Massenmedien informieren nicht über die Realität, sondern sie “konstruieren” sie, und zwar nach ihren eigenen Vorstellungen: In die Schlagzeilen kommt nur, was neu und unverbraucht ist und nach Konflikt riecht. Die zunehmende Beschleunigung der Informationsvermittlung führt darüber hinaus bei den Lesern zu einer Unsicherheit, die verantwortungsvolles langfristiges Handeln erschwert. Weil dem Menschen die objektive Basis fehlt, die Zukunft realistisch einzuschätzen, verleitet ihn die Beschleunigung der Information dazu, auf Konventionen oder “Schemata” zurückzugreifen. Er befindet sich in einer “statistischen Normaldepression”.
Thomas Strobl: Too much information und statistische Normaldepression. FAZ-Blog auf faz.net, 15. April 2009