TV-Tipps
Kaurismäki und Louis Malle
Do., 11. März 2010

20.15 Uhr, Arte: Lampedusa (Lampedusa). F/IT 2002, Regie: Emanuele Crialese

22.25 Uhr, 3sat: Der Mann ohne Vergangenheit. Regie: Aki Kaurismäki

22.45 Uhr, rbb: Robert Havemann - Porträt eines Unangepassten. Dokumentarfilm. D 2010, Regie: Margit Geßner

23.45 Uhr, rbb: Losers and Winners. Abbruch West. D 2006, Regie: Ulrike Franke, Michael Loeken

23.45 Uhr, SWR: Lagerfeld Confidential (Lagerfeld Confidential). Dokumentarfilm. Regie: Rodolphe Marconi

00.45 Uhr, Arte: Pretty Baby (Pretty Baby). USA 1977, Regie: Louis Malle


Internetnutzung - ein Grundrecht
9. März 2010
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]

Zitat des Tages
9. März 2010
“Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Die Kosmokraten, die neuen Feudalherren, üben heute eine Macht aus, die Adel, Könige un […]

Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung
4. März 2010
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]

Kerben im Ozean
25. Februar 2010
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]

Ein Lob auf die Intertextualität
25. Februar 2010
Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel. Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25.02.2010 Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, 06.03 […]

Zitat des Tages
19. Februar 2010
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]

Zitat des Tages II
17. Februar 2010
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschland: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünfti […]

Zitat des Tages
17. Februar 2010
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]

Produktion ohne Logo
12. Juni 2009
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]

Leidenschaft statt Larmoyanz
8. Juni 2009
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]

Berliner Trauerspiele
8. Juni 2009
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]

Barack Obama: Assalaamu alaykum
5. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]

Von Menschen und Kühen
3. Juni 2009
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]

Mehr Verantwortung bitte!
29. Mai 2009
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]

Warum auch eine Nullzinspolitik nicht hilft
23. Mai 2009
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]

Digitalisieren ja, Download nein
14. Mai 2009
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]

Frankreich verhängt Internetsperren für Raubkopierer
13. Mai 2009
Hartnäckigen Raubkopierern kann in Frankreich künftig der Zugang zum Internet gesperrt werden. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das französische Parlament beim dritten Anlauf zu.

Soziale Marktwirtschaft: Was ist das und wo soll es hinführen?
12. Mai 2009
Die FAZ bietet eine Serie zur Zukunft des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Journalist, die Lobbyistin, der Schriftsteller und der Vorstandsvorsitzende sowie der Kulturtheoretiker liefern dabei eigene Aspekte.

Rhythmusstörungen des Volksherzen
11. Mai 2009
"Des Volkes Herz hat Rhythmusstörungen", stellt Volker Weidermann fest. Das Handbuch "Daten deutscher Dichtung" weist erstaunliche Lücken auf. Auch noch in seiner 35. Auflage von 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag fehlen so wichtige Namen wie Klaus Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun gänzlich oder nahezu.

Pöttering, wer ist Pöttering?
11. Mai 2009
Der Europa-Wahlkampf ist nicht einmal eine Farce, er findet in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht statt. Europa-Politiker, die in Brüssel wegweisende Entscheidungen treffen, sind hierzulande nahezu unbekannt. "Dieselben Medien, die das Europäische Parlament durchweg ignoriert haben, deuten kurz vor der Wahl das Desinteresse des Publikums als Ze […]

Film

Deutschland 09: Die Patientin hyperventiliert

Die Patientin Deutschland ist ein komplizierter Fall. Ihren besten Regisseuren zufolge verbringt die Nation den 60. Geburtstag wahlweise beim Psychiater, im Puff oder auf dem Mond.

Christoph Hochhäusler: Séance (c) Herbstfilm

Christoph Hochhäusler: Séance (c) Herbstfilm

Wer auf den Frühling hofft, der hofft vergebens. Deutscher als der Frühling bleibt der Herbst; das Höchste der Romantik hierzulande ist ein Wintermärchen. Eine fröhliche, mit sich selbst im Reinen lebende Nation werden die Deutschen auch kurz vor der Pensionierung nicht werden, wenn wir Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation wörtlich nehmen, allenfalls Kassenpatient. Ihren 60. Geburtstag verbringt die Nation entweder beim Psychiater (wahlweise wegen Depression, historisch bedingten Angstpsychosen oder Lethargie, unfähig den “Ruck”, der durch dieses Land gehen soll, zu spüren oder auch nur auszusprechen), im Puff oder auf dem Mond, jenseits von Gut und Böse in schönen Erinnerungen an ein fiktives “Deutschland” schwelgend, das aus Multifunktionsmöbeln und dem Mauerkuss besteht (Christoph Hochhäusler, Séance).

Und zwischendurch trällern alle ein paar Liedchen, wie das auf deutschen Bühnen im vergangenen Jahrzehnt so üblich war. Die im Ausstoß der Bürokratiemaschine erstickende Sekretärin der Nation kann den vielen Fragen nur ihr “Moment bitte!” in die Hörermuschel entgegenhalten, der Rest hängt in der Warteschleife und hofft vergeblich auf Antworten (Wolfgang Becker, Krankes Haus).

Ein Ständchen zum Sechzigsten

Zum sechzigsten Geburtstag haben sich die jungen, aufstrebenden Regisseure der Nation zusammengefunden, derselben ein Ständchen darzubringen. Doch das Orchester der Filmemacher löst sich auf in ein disparates Stimmengewirr. Der Sopran (Isabelle Stever, Eine demokratische Gesprächsrunde zu festgelegten Zeiten) zeigt als sich selbst erziehendes Kind nur auf die andern, die Geige (Dani Levy, Joshua) ist völlig auf Zucker, die Bratsche (Nicolette Krebitz, Die Unvollendete) hängt ihren Träumen von einer Selbstverwirklichung der Frauen nach und hört einfach auf zu spielen, die Triangel (Angela Schanelec, Erster Tag) lässt ein paar zusammenhanglose Bilder im Morgenlicht anklingen, der Bass macht sich schmerzlich durch Abwesenheit bemerkbar, und der Paukenschlag (Hans Steinbichler, Fraktur), der an der Redaktion der FAZ die Aufgabe der Frakturschrift blutig rächt, dröhnt nach dem Amoklauf in Winnenden schmerzlich in den Ohren. Der Dirigent (Tom Tykwer, Feierlich reist) ist zu perfekt und hat das Dirigieren vergessen, stattdessen führt er als Global Player im Dauerjetlag nur noch ein virtuelles Leben, das räumlich nicht mehr zu verorten ist. In seinem Starbucks-Village der Esprit-Gap-Louis Vuitton-Markenwelt unterscheidet nur noch die Frage nach der Bestellung Tokyo von London und Paris von New York. Die Nation spielt dabei ohnehin keine Rolle.

60 Jahre und kein bisschen weise

Was sagt uns dieser Film, dieses Konglomerat an Film(ch)en? 60 Jahre und kein bisschen weise. Wir sind keinen Schritt weiter gekommen. Die Alten kränkeln vor sich hin, die Jungen auch, die einen leiden an Reformpädagogik, die andern, weil sie nichts zu beißen haben. Wieder andere dreschen Phrasen, Schlagzeilen, Werbeslogans (”Wir sind Papst”, “Geiz ist Geil”, “Das Kapital ist ein scheues Reh”, “Leistung muss sich wieder lohnen”). Der “Sozialinfarkt” steht unmittelbar bevor, und die “Lohnnebenhöhlen” sind angegriffen, lautet die ärztliche Diagnose.

Wolfgang Becker: Krankes Haus (c) Herbstfilm

Wolfgang Becker: Krankes Haus (c) Herbstfilm

Willkommen in der Postmoderne. Die Frauen haben Frauenprobleme, die politisch Aktiven werden verfolgt und die politisch Nicht-Aktiven ebenfalls. Und so richtig kommt auch niemand dahinter, wer eigentlich politisch aktiv ist und wer nicht (Hans Weingartner, Gefährder und Fatih Akin, Der Name Murat Kurnaz). Vielleicht beweist der lethargische Verweigerer, der partout seinen einstudierten Satz: “Es soll ein Ruck durch Deutschland gehen” nicht aussprechen will, noch am meisten politischen Widerstand, auch wenn er dabei Gefahr läuft, in Einzelhaft genommen zu werden, bis auch er seine Phrase beherrscht und damit einen Beitrag zur alles bestimmenden Gemeinschaft leistet.

Was bleibt von Deutschland 09?

Was also bleibt von dem polyphonen Konzert des Patienten Deutschland 09? Neben der kränkelnden Depression einzelne Stimmen, die herausklingen. Sylke Enders kasteit die Schieflage zwischen Arm und Reich, zwischen Rotzbengeln, die unfähigen HartzIV-Müttern ausgeliefert sind, und quengelnden Wohlstandsgören. Und die Vorurteile, mit denen die einen den andern begegnen oder eher die andern den einen.

Romuald Karmakars Ramses liefert zwischen all der deutschen Bedeutungsschwere das ebenso skurrile wie erfrischende Porträt eines Puffbesitzers, der kein Blatt vor den Mund nimmt, wenn er über die abwegigen Leidenschaften seiner Kundschaft spricht und sich, während er von seiner Heimat Persien träumt, bei dem “deutschen Volk” bedankt.

Hans Weingartner und Dominik Graf kämpfen auf unterschiedliche Weise gegen das Vergessen an. Weingartner verfilmte mit Gefährder die wahre Geschichte des Soziologen Andrej Holm, der als mutmaßlicher Kopf der linksradikalen “militanten Gruppe” elf Monate lang überwacht und abgehört wurde, weil radikale Randalierer in ihren Bekennerschreiben wie er das Wort “Gentrifizierung” verwendet hatten. Nicht in der DDR und von der Stasi, sondern in der BRD von heute.

Dominik Graf thematisiert mit Der Weg, den wir nicht zusammen gehen den Verlust des kollektiven Gedächtnisses und spricht von einer “Euthanasie” der Erinnerung durch den Abriss von architektonischen Zeugnissen der Geschichte. Der missliebige, verruchte Bahnhof Zoo wurde durch den neuen, Transparenz suggerierenden Glasbau am Lehrter Bahnhof ersetzt und mit ihm das West-Berlin der achtziger Jahre entsorgt. Der Palast der Republik wurde “zurückgebaut”, still und leise, und mit ihm fiel die Repräsentanz des besiegten anderen Deutschlands. Auch die Linoleum- und Suppentopfgerüche, die noch von einem vergangenen Leben in verlassen Nachkriegshäusern und Plattenbauten zeugen, werden der Abrissbirne anheim fallen, und mit all diesen Ruinen wird, so Graf, “die wahre deutsche Geschichte entsorgt”.

Es scheint so etwas wie ein Fluch der Deutschen zu sein, sich möglichst schnell und möglichst spurenlos der oft missliebigen Geschichte zu entledigen zu suchen statt sie aufzuarbeiten und sich ihr zu stellen. Der Frühling hat noch nicht begonnen, aber der Herbst ist schon wieder nah.

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Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation
Deutschland 2009
Regie: Fatih Akin, Wolfgang Becker, Sylke Enders, Dominik Graf, Christoph Hochhäusler, Romuald Karmakar, Nicolette Krebitz, Dani Levy, Angela Schanelec, Hans Steinbichler, Isabelle Stever, Tom Tykwer, Hans Weingartner

Kinostart: 26.03.2009

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