TV-Tipps
Der Depressive und der Eingeschleuste
Mo., 17. Januar 2011

23.30 Uhr, HR: Control (Control). GB/USA/AUS/JP 2007, Regie: Anton Corbijn

23.30 Uhr, SWR: URO (URO). N 2006, Regie: Stefan Faldbakken


Zitat des Tages: Spekulation mit Halbgarem
15. Juni 2010
Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz über den Niedergang des Journalismus: “Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld. Sein Hauptgeschäft ist nicht mehr der s […]

In der Folterkammer sozialer Netzwerke
1. Juni 2010
Früher waren es die Adressbücher, die als Ausgangsbasis für politische Verfolgung dienten, heute kann es der Facebook-Account werden. So mussten die Ägypter Esraa Abdel Fattah Ahmed Raschid und Ahmed Maher die Gründung der Gruppe “April 6 Youth Movement” auf Facebook, in der sie sich mit streikwilligen Industriearbeitern solidarisierten, mit […]

Huch, ich bin digitale Avantgarde!
19. März 2010
35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind noch immer digitale Außenseiter, wie eine Studie der Initiative D21, einer Partnerschaft von Politik und Wirtschaft zur Stärkung der Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert, feststellt. Das Durchschnittsalter der Internetverweigerer liegt ihrzufolge bei 62,4 Jahren. Dass die Internetnutzung vor allem eine […]

Zitat des Tages: Hammerklavier-Sonate
15. März 2010
Thierry Chervel, Gründer und Chefredakteur des Perlentaucher, zu dem von FAZ und Süddeutscher geäußerten Vorwurf, dass seine Presseschau sich der Arbeit anderer Leute bediene: “Es stimmt natürlich, dass wir von der Arbeit anderer Leute leben – so wie Journalismus immer von der Arbeit anderer Leute lebt. Was ist es anderes beim Feuilleton oder be […]

Internetnutzung - ein Grundrecht
9. März 2010
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]

Zitat des Tages: Kannibalismus
9. März 2010
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung: “Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen […]

Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung
4. März 2010
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]

Kerben im Ozean
25. Februar 2010
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]

Ein Lob auf die Intertextualität
25. Februar 2010
Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel. Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25. Februar 2010 Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, […]

Zitat des Tages: Hacker
19. Februar 2010
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]

Zitat des Tages: Aldisierung
17. Februar 2010
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschlands: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünft […]

Zitat des Tages
17. Februar 2010
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]

Produktion ohne Logo
12. Juni 2009
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]

Leidenschaft statt Larmoyanz
8. Juni 2009
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]

Berliner Trauerspiele
8. Juni 2009
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]

Barack Obama: Assalaamu alaykum
5. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]

Von Menschen und Kühen
3. Juni 2009
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]

Mehr Verantwortung bitte!
29. Mai 2009
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]

Warum auch eine Nullzinspolitik nicht hilft
23. Mai 2009
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]

Digitalisieren ja, Download nein
14. Mai 2009
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]

Fundstücke

Frankreich verhängt Internetsperren für Raubkopierer

Hartnäckigen Raubkopierern kann in Frankreich künftig der Zugang zum Internet gesperrt werden. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das französische Parlament beim dritten Anlauf zu. Eine im Vergleich zum ersten Entwurf hinzugekommene Verschärfung dient der Providerlobby. Sie sieht vor, dass die Nutzer bei einer Sperrung die Gebühren für den Internetzugang trotzdem weiter zahlen müssen.

Telepolis: Französisches Parlament beschließt Gesetz zur Internetsperre bei Urheberrechtsverstößen. Heise online, 12. Mai 2009
Tobias Schmidt/AP: “Hadopi”: Wenn Sarkozy Raubkopierer jagt. netzeitung, 12. Mai 2009

Fundstücke

Soziale Marktwirtschaft: Was ist das und wo soll es hinführen?

Die FAZ bietet eine Serie zur Zukunft des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Journalist, die Lobbyistin, der Schriftsteller und der Vorstandsvorsitzende sowie der Kulturtheoretiker liefern dabei je eigene Aspekte.

Der Journalist: Thomas Strobl erinnert mit dem Text “Soziale Marktwirtschaft: Ökonomie als Instrument, nicht als Selbstzweck” an den geistigen Schöpfer der sozialen Marktwirtschaft, nicht ihren politischen Vater Ludwig Erhard, sondern ihren geistigen Vater, den Ökonomen Alfred Müller-Armack, der mit seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ die Grundlage für unsere Wirtschaftsordnung schuf. Soziale Marktwirtschaft müsse sich, so Müller-Armack an den mittelständischen Betrieben ausrichten, die Freiheit sei oberstes Gebot und nur durch eine Verteilung der ökonomischen Macht zu erreichen. [...]

Fundstücke

Rhythmusstörungen des Volksherzen

“Des Volkes Herz hat Rhythmusstörungen”, stellt Volker Weidermann fest. Das Handbuch “Daten deutscher Dichtung” weist erstaunliche Lücken auf. Auch noch in seiner 35. Auflage von 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag fehlen so wichtige Namen wie Klaus Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun gänzlich oder nahezu. Geschrieben hat das Handbuch Elisabeth Frenzel, deren im Nationalsozialismus verfasste Dissertation “Die Gestalt des Juden auf der neueren deutschen Bühne” eindeutig antisemitische Züge trägt.

Volker Weidermann: Taten deutscher Dichtung. FAS, 10. Mai 2009

Fundstücke

Pöttering, wer ist Pöttering?

Der Europa-Wahlkampf ist noch nicht einmal eine Farce, er findet in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht statt. Europa-Politiker, die in Brüssel wegweisende Entscheidungen treffen, sind hierzulande nahezu unbekannt.

“Dieselben Medien, die das Europäische Parlament durchweg ignoriert haben, deuten kurz vor der Wahl das Desinteresse des Publikums als Zeichen der Europamüdigkeit”, kritisiert Martin Unfried, Dozent am Europäischen Institut für Öffentliche Verwaltung in Maastricht, die mangelnde EU-Berichterstattung.

Martin Unfried: Das Pöttering-Syndrom. taz, 11. Mai 2009

Fundstücke

Die Folter der Apologeten

In einem informellen Interview mit einigen Studenten der Stanford University lobt die US-Außenministerin der Bush-Regierung Condoleeza Rice Guantánamo als “vorbildliches Gefängnis”. Auf die Frage, ob Waterboarding Folter sei, versteigt sie sich zu der Aussage, dass Waterboarding per Definition gar keine Folter sein könne, denn die Anweisung habe schließlich der Präsident der Vereinigten Staaten gegeben.

Das muss man sich wirklich auf der Zunge zergehen lassen: [...]

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Die statistische Normaldepression der Medienleser

Thomas Strobl beleuchtet mit Niklas Luhmann den Anteil der Massenmedien an der gegenwärtigen Krise. Die Massenmedien informieren nicht über die Realität, sondern sie “konstruieren” sie, und zwar nach ihren eigenen Vorstellungen: In die Schlagzeilen kommt nur, was neu und unverbraucht ist und nach Konflikt riecht. Die zunehmende Beschleunigung der Informationsvermittlung führt darüber hinaus bei den Lesern zu einer Unsicherheit, die verantwortungsvolles langfristiges Handeln erschwert. Weil dem Menschen die objektive Basis fehlt, die Zukunft realistisch einzuschätzen, verleitet ihn die Beschleunigung der Information dazu, auf Konventionen oder “Schemata” zurückzugreifen. Er befindet sich in einer “statistischen Normaldepression”.

Thomas Strobl: Too much information und statistische Normaldepression. FAZ-Blog auf faz.net, 15. April 2009

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Vom Weltenschöpfer zum Weltenmacher

Die Kunst hatte sich in den vergangenen Jahren zum Spekulationsobjekt gewandelt, der Markt, verkörpert durch Sammler und Galeristen, die wie Ratingagenturen fungieren, bestimmte ihren Wert. Eine einst dem Kunstwerk zugeschriebene Erhabenheit ging dabei verloren, der Künstler entwickelte sich vom Schöpfer zum Macher.

Hanno Rauterberg analysiert unter der Bedingung der Krise die parallelen Strukturen zwischen Kunstmarkt und Börse und welche Rückwirkung die Entwicklung auf die Kunst selbst und die Figur des Künstlers hatte und hat.

“Das Machen als solches ist nicht länger ein Zeichen der Vitalität; spätestens jetzt, in der Krise, braucht das Machen eine Begründung, ein sinnvolles Ziel. Denn so gnadenlos aktiv waren die Macher der Finanzwelt, so ungemein findig und kreativ, dass man erst einmal genug hat vom planlos planvollen Drauflos.”

Die derzeitige Krise auf dem Kunstmarkt könnte, so hofft Rauterberg, die Ästhetik des Kunstwerks wieder zum bestimmenden Faktor seines Wertes erheben.

Hanno Rauterberg: Risse im Bild. Die Zeit, Nr. 17, 16. April 2009

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US-Senat will Reiseverbot nach Kuba aufheben

Der US-Senat will das Reiseverbot nach Kuba für US-Amerikaner aufheben. Das kommt einer Revolution in der Kuba-Politik der Vereinigten Staaten gleich und wird als erster Schritt hin zu einer möglichen Aufhebung des Handelsembargos gegen Kuba angesehen. Das Wirtschafts- und Handelsembargo der USA wurde am 7. Februar 1962 durch Präsident John F. Kennedy erlassen, nachdem Fidel Castro US-amerikanische Bürger und Unternehmen auf Kuba, u.a. die United Fruit Company, enteignet hatte.

Das Embargo gilt noch heute und bestimmt, dass keine kubanischen Produkte oder Rohstoffe in die USA eingeführt werden dürfen. [...]

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Deutschland 09: Die Frau schreibt in den Mondsand

Dietrich Kuhlbrodt rezensiert in der taz die Filmcollage ‘Deutschland 09 - 13 kurze Filme zur Lage der Nation’ von Angela Schanelec, Romuald Karmakar, Tom Tykwer und anderen und weiß selbst nicht, was er davon halten soll. Hat unser Land schon den Zustand der geistigen Beklommenheit erreicht oder ist sowieso alles nur Satire? Seine Rezension macht uns nach Art der guten alten ‘Spex’-Musikkritiken über den Gegenstand nicht schlauer, aber nach der Lektüre um vieles erhabener: “Die Frau schreibt in den Mondsand das Wort ‘Deutschland’. Die Behörden sind alarmiert. Was soll das? Was will sie? Auch wir wissen es nicht.”

Dietrich Kuhlbrodt: Eine Idee haben? Was für eine Idee? taz, 25. März 2009

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Suhrkamp-Umzug: Frankfurt ist geistesgelähmt

Frankfurt oder Berlin? Ein - wohl aus Furcht vor der geistigen Resonanz? - anonym bleiben wollender Suhrkamp-Autor antwortet in gezwirbelter Suhrkamp-Autoren-Sprache auf Thomas Hettches Plädoyer für Frankfurt als ökonomisch geprägten Verlagsstandort mit einem vernichtenden Urteil und hofft auf Berlins Geist des Radikalismus: Frankfurt ist “geistesarm, (…) regelrecht geistesgelähmt”:

“Muss ich sagen, so der Autor, dass Frankfurt heute ein Ort ist, wo man sich, im Unterschied zur Hauptstadt, um einen Geistesradikalismus tagtäglich gebracht sieht, und nicht etwa nur geprellt sieht, sondern, angesichts der Austauschbarkeit von Menschen und Ideen, regelrecht mitenthauptet sieht.”

Anonymer Monolog: Berlin, Berlin verbindet, FR, 21. März 2009

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Suhrkamp-Umzug: Kommod über die eigene Bedeutung hinausleben

Suhrkamp plant, nach Berlin zu gehen. Führt dies zu einer Provinzialisierung, einer literarischen Verwaisung Frankfurts? Der Schriftsteller Thomas Hettche, selbst von Frankfurt nach Berlin umgesiedelt, wundert sich über die Diskussion zur Verlegung des Verlagssitzes. Zwar ziehe es viele Schriftsteller aus ökonomischen Gründen nach Berlin, wo sie die Freiheit besäßen, “kommod über die eigene Bedeutung” hinaus leben zu können, die literarische Infrastruktur sei hingegen überreich in Frankfurt angesiedelt, “denn hier verlässt man die Sphäre des symbolischen Kapitals”. Hier trumpft Frankfurt mit mehreren bedeutenden überregionalen Tageszeitungen, Verlagshäusern und der Buchmesse auf. [...]

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Cross-Border-Leasing: Der Ausverkauf der Städte

Wer, wie ich, beim Monopoly-Spiel am liebsten Bahnhöfe, Elektrizitäts- und Wasserwerke erstanden hat, in der Meinung, diese seien in Notzeiten wichtiger als der Besitz der Parkallee samt Hotels, wird die Brisanz des unter dem sperrigen Begriff “Cross-Border-Leasing” gefassten Verfahrens sicher durchschauen.

Der Ausverkauf öffentlichen Eigentums europäischer Städte an US-amerikanische Investoren ist nichts Neues, einige Stimmen warnen schon seit langem davor. Aber endlich nimmt sich jemand des Themas in großem Stil an. ‘Die Zeit’ widmet ein ganzes Dossier der Praktik vieler Bürgermeister, für schnelles Geld in den klammen Stadtkassen zu sorgen, indem sie Straßenbahnen, Kläranlagen und Messehallen, manchmal gar die Wasserversorgung und Schulgebäude auf der Basis undurchschaubarer Verträge an unbekannte Investoren verkauften und parallel zurückleasten.

Der Haken an der Sache ist, dass diese Leasing-Verträge eine Laufzeit von 99 Jahren haben, [...]

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Die Finanzkrise als Katastrophenfilm

Die Schriftstellerin, Hörspiel- und Theaterautorin Kathrin Röggla stellt sich die Finanzkrise als Katastrophenfilm vor und sinniert in der “Zeit” darüber, welche Eigenschaften ein Krisenmanagementteam unserer Gegenwart haben müsste - und nicht hat. Das aktuelle Krisenmanagement entpuppt sich als überfordertes Jonglieren an der Oberfläche. Das Worst Case Szenario hat unseren Alltag längst ergriffen.

Kathrin Röggla: Worst case scenario, Die Zeit, Nr. 11, 5. März 2009

Der Text ist ein Auszug aus einem längeren Essay, der unter dem Titel “Gespensterarbeit, Krisenmanagement und Weltmarktfiktion” im Mai im Picus Verlag in der “Edition Gesellschaftskritik” erscheinen soll.