Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]
“Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Die Kosmokraten, die neuen Feudalherren, üben heute eine Macht aus, die Adel, Könige un […]
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschland: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünfti […]
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]
Hartnäckigen Raubkopierern kann in Frankreich künftig der Zugang zum Internet gesperrt werden. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das französische Parlament beim dritten Anlauf zu.
Die FAZ bietet eine Serie zur Zukunft des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Journalist, die Lobbyistin, der Schriftsteller und der Vorstandsvorsitzende sowie der Kulturtheoretiker liefern dabei eigene Aspekte.
"Des Volkes Herz hat Rhythmusstörungen", stellt Volker Weidermann fest. Das Handbuch "Daten deutscher Dichtung" weist erstaunliche Lücken auf. Auch noch in seiner 35. Auflage von 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag fehlen so wichtige Namen wie Klaus Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun gänzlich oder nahezu.
Der Europa-Wahlkampf ist nicht einmal eine Farce, er findet in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht statt. Europa-Politiker, die in Brüssel wegweisende Entscheidungen treffen, sind hierzulande nahezu unbekannt. "Dieselben Medien, die das Europäische Parlament durchweg ignoriert haben, deuten kurz vor der Wahl das Desinteresse des Publikums als Ze […]
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC.
Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der Länder rief er dazu auf, das Internet als Teil der Infrastruktur aufzufassen, genau so wichtig wie Straßenbau, Müllabfuhr und Wasserversorgung.
Einige der Befragten sagen zugleich auch Gefahren in der Internetnutzung. Dabei rangierten die Furcht vor Betrug, die Kritik an gewaltsamen und sexuellen Inhalten und die Furcht vor Angriffen auf die Privatsphäre deutlich vor der Angst vor Zensur und der Ausweitung der Macht der Konzerne. Das Gefühl, seine Meinung im Internet nicht unbeschadet frei äußern zu können, wurde vor allem in Japan, Süd-Korea und Deutschland mit großer Mehrheit genannt.
“Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Die Kosmokraten, die neuen Feudalherren, üben heute eine Macht aus, die Adel, Könige und Päpste früherer Jahrhunderte niemals erreichten.”
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wurde flächendeckend erfasst, wer mit wem, wann, wie lange und von wo aus kommuniziert. Mithilfe dieser Daten lassen sich nicht nur Gruppenzugehörigkeiten, Kontaktgewohnheiten und die Intimsphäre der Bürger ausforschen, sondern sogar Bewegungsprotokolle erstellen.
Wie Sprecher der Deutschen Telekom und anderer Anbieter wie Vodafone erklärten, hätten sie bereits gestern unmittelbar nach der Urteilsverkündung keine Daten mehr herausgegeben und mit der Löschung der gesammelten Daten begonnen (>Golem). Der Datenmenge wegen werde dies aber einige Zeit in Anspruch nehmen.
Die EU-Richtlinie war schon von Anfang an umstritten (>FAZ). Zunächst konnten sich EU-Parlament und Ministerrat nicht einigen, anschließend weigerten sich einzelne europäische Länderregierungen wie Schweden und Österreich, die Richtlinie umzusetzen. In anderen Staaten wie jetzt in Deutschland und zuvor in Rumänien und Bulgarien kippte das Verfassungsgericht die jeweiligen nationalen Umsetzungen der Richtlinie.
Datenschützer kritisierten vor allem, dass die Vorratsdatenspeicherung die Bürger unter Generalverdacht (>detektor.fm) stelle und dass es keine Transparenz gebe, wer mit welcher Begründung die gesammelten Daten abrufen und nutzen könne.
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser noch beschreiten darf. Die Gesetze des (privaten) Eigentums statt des Freibeutertums beginnen schon sich durchzusetzen.
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein:
“Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz erregt den heiligen Sportsgeist, der oft genug dazu führt, dass technische Hindernisse obsolet gemacht werden. Nach einer Weile stellt sich die Erkenntnis ein, dass fast jedes System von seinen künstlichen Fesseln befreit und fast jede Sicherheitsmaßnahme umgangen werden kann, wenn nur genug Zeit, Energie und manchmal auch Geld für Werkzeuge und Hardware in das Problem fließen. Marketing-Gefasel stört nur, es geht um Dokumentation des Gefundenen und präzise Details.”
“Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünftige und Zuverlässige. Für den ehemaligen Aldi-Manager Dieter Brandes sind das die Erfolgsattribute der Albrechts. Er könnte auch von deutschen Autos reden. Oder von deutschen Fußballern. Die waren immer einfach, zuverlässig und Aldi.”
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz:
” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. (…)
(Auf geisteswissenschaftlichen Symposien…) triumphieren die Vorsichtigen, welche bedingungslos die Konsens-Meinungen ihres Lehrstuhls oder ihrer Forschergruppe bestätigen. Korpsgeist wird mehr denn je belohnt im Zeitalter der massiven Forschungsförderung. Riskantes Denken von Individuen ist weniger gefragt.”
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalten werden können, die Arbeiter hätten mit ihren Gewinnen die eigenen Abfindungen erwirtschaftet. In dem Dokumentarfilm The Take hatte Naomi gemeinsam mit ihrem Mann Avi Lewis im Argentinien der Wirtschaftskrise die Übernahme einer Fabrik durch Arbeiter begleitet.
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie.
Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehlte es gerade noch, dass es bei ihnen zugeht wie beim ZDF - dass also die politischen Parteien glauben, sie könnten sich nicht nur den Chefredakteur beim ZDF, sondern auch noch den bei der taz aussuchen.” Zugleich räumt er auf mit der unsinnigen Debatte über guten Journalismus und schlechte Blogs und fordert stattdessen wieder Verleger und Journalisten, die Haltung und Leidenschaft beweisen, in welchem Medium auch immer sie publizieren.
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfalls nicht an. Sie müssen im Gegenteil noch unter Kürzungen leiden, denn ihre Projekte sind von den kommunalen Kassen abhängig, und dort wird gespart.
17,3 Millionen fließen in die Sanierung des Hauses der Berliner Festspiele in der Schaperstraße. Doch das Haus gehört der Stadt nicht einmal. Sie hatte es 1999 an eine Hamburger Investorengruppe verkauft und zurückgemietet. Der Mietvertrag läuft noch bis 2020. Dann wird das Haus womöglich ohnehin abgerissen und das attraktive Grundstück neu bebaut.
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt.
In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt die Algebra, Kompass und Federhalter, großartige Bauwerke, kalligraphische und poetische Meisterleistungen beschert hat. Er wandte sich an den friedfertigen Islam als Partner in einer neuen globalisierten Weltordnung, sprach aber auch Konfliktpunkte an: die extremistische Gewalt (ohne das Wort “Terrorismus” zu verwenden), den Nahost-Konflikt, den Atomwaffensperrvertrag, Demokratie, Religionsfreiheit und Frauenrechte. Er versprach zugleich mehr Investitionen in partnerschaftliche Bildungs- und Austauschprogramme, Stiftungen, Unternehmen und grüne Energie. [...]
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.”
Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums leidet. Dieses Wachstum bedeute heute keinen Zuwachs an Wohlstand für alle mehr, sondern werde nur noch durch Reparaturleistungen geschaffen: vom kaputten Haus über die kaputten Familien und kaputten Geistes- und Körperzustände.
Nach dem Rausch des Marktes kommt der Kater. Und zugleich bläht sich schon die nächste Blase auf, dank der Billionen, die die Regierungen in den Markt pumpen wie ein Süchtiger, der sich den nächsten Schuss setzt, um die Entzugserscheinungen zu überwinden. Beim nächsten Crash, prophezeit der Wirtschaftsweise, wackelten dann Unternehmen, Banken und Staaten.
Dann wären wir wieder bei der Theologie. Es ist wohl eher das, was Menschen von Kaninchen und Kühen unterscheidet. Die sehen zumindest das Gras wachsen.
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Regeln schaffen, die alle am Markt Beteiligten wieder mehr zur Verantwortung zögen. Dies gilt für Banken, die risikobehaftete Kredite in undurchschaubaren Papieren verbrieften und weiterverkauften, gleichermaßen wie für Anleger, die nur auf die Rendite schauten, ohne zu hinterfragen, wie sie erwirtschaftet werde.
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer Sicherheiten bieten und Eigentum verpfänden kann, erhält Kredit oder wie Woody Allen es ausdrückte: Banken sind Institutionen, die Geld an Leute verleihen, die nachweisen können, dass sie es nicht brauchen. Wer auf die Sicherheiten verzichtete, ließ es sich mit hohen Zinsen bezahlen.
Heinsohn entlarvt unsere Marktwirtschaft als das, was sie eigentlich ist, keine – wie oft suggeriert wird – vom Tauschhandel herrührende Produktions- und Geldwirtschaft mehr, sondern vielmehr eine “Eigentumswirtschaft”, bei der nicht der Besitz und optimale Tausch von Gütern Mehrwert schaffen, sondern Eigentum und Verfügbarkeit die Grundlage für ein Wirtschaften bilden, das nur nur durch permanente Innovation vor dem stets drohenden Ruin gerettet werden kann.
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoßen. Nicht zulässig sind dagegen nach Meinung des Landgerichts der Download, die Speicherung und Vervielfältigung der Dateien auf Wechselmedien wie USB-Sticks. In der Möglichkeit zum Download erkannten die Richter einen Rechtsverstoß.
Hartnäckigen Raubkopierern kann in Frankreich künftig der Zugang zum Internet gesperrt werden. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das französische Parlament beim dritten Anlauf zu. Eine im Vergleich zum ersten Entwurf hinzugekommene Verschärfung dient der Providerlobby. Sie sieht vor, dass die Nutzer bei einer Sperrung die Gebühren für den Internetzugang trotzdem weiter zahlen müssen.
Die FAZ bietet eine Serie zur Zukunft des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Journalist, die Lobbyistin, der Schriftsteller und der Vorstandsvorsitzende sowie der Kulturtheoretiker liefern dabei je eigene Aspekte.
Der Journalist: Thomas Strobl erinnert mit dem Text “Soziale Marktwirtschaft: Ökonomie als Instrument, nicht als Selbstzweck” an den geistigen Schöpfer der sozialen Marktwirtschaft, nicht ihren politischen Vater Ludwig Erhard, sondern ihren geistigen Vater, den Ökonomen Alfred Müller-Armack, der mit seinem Buch „Wirtschaftslenkung und Marktwirtschaft“ die Grundlage für unsere Wirtschaftsordnung schuf. Soziale Marktwirtschaft müsse sich, so Müller-Armack an den mittelständischen Betrieben ausrichten, die Freiheit sei oberstes Gebot und nur durch eine Verteilung der ökonomischen Macht zu erreichen. [...]
“Des Volkes Herz hat Rhythmusstörungen”, stellt Volker Weidermann fest. Das Handbuch “Daten deutscher Dichtung” weist erstaunliche Lücken auf. Auch noch in seiner 35. Auflage von 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag fehlen so wichtige Namen wie Klaus Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun gänzlich oder nahezu. Geschrieben hat das Handbuch Elisabeth Frenzel, deren im Nationalsozialismus verfasste Dissertation “Die Gestalt des Juden auf der neueren deutschen Bühne” eindeutig antisemitische Züge trägt.
Der Europa-Wahlkampf ist noch nicht einmal eine Farce, er findet in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht statt. Europa-Politiker, die in Brüssel wegweisende Entscheidungen treffen, sind hierzulande nahezu unbekannt.
“Dieselben Medien, die das Europäische Parlament durchweg ignoriert haben, deuten kurz vor der Wahl das Desinteresse des Publikums als Zeichen der Europamüdigkeit”, kritisiert Martin Unfried, Dozent am Europäischen Institut für Öffentliche Verwaltung in Maastricht, die mangelnde EU-Berichterstattung.
Auf "Telepolis" erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In "taz" und "NZZ" sprechen iranische Autoren über die Repressionen in ihrem Land.
Die "SZ" hat einen kritischen Einwand zum Oscar für Kathryn Bigelow. Die "taz" befragt den Kapitalismuskritiker Jean Ziegler. Vielen geretteten Archivalien des Kölner Stadtarchivs geht es wie Tiefkühlkost: ihnen droht Gefrierbrand, berichtet die "NZZ".
In der "NZZ" wendet sich Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die "taz" bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz. In der "FR" erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus.
In der "FR" kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. In der "SZ" kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche. Die "FAZ" beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie.
Die "Welt" schildert die Folgen von Bevölkerungs- und Steuerschwund am Beispiel von Dessau. Die "taz" erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke und der "Tagesspiegel" rät angesichts des Erfolgs des Populisten Geert Wilders, Politik den Bürgern klarer zu erklären.
In der "FR" erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. In der "NZZ" trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die "FAZ" hat ein Gespräch zwischen Heiner Geißler und Peter Sloterdijk beobachtet.
Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang - die "taz" veröffentlicht ihn. Der "NZZ" geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug. In der "Welt" spricht Tahir al-Kadri eine Fatwa gegen Selbstmordattentäter aus.
Die Diskussionen um Ryszard Kapuscinski gehen weiter. Laut "Welt" war er parteilich und nahm es mit der Wahrheit nicht so genau. In der "NZZ" erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Enthüllungen, sondern wegen ihres Tons.
Die "SZ" berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er dem Regime nahe stand - und ganz schön geflunkert hat. Die "NZZ" hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan.
Die "taz" war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der "FAZ" erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die "NZZ" sinniert über das Klavier. Das und mehr im Wochenend-Perlentaucher.
Die "NZZ" präsentiert Michael Landys Kunstabfallcontainer. Die "FAZ" feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die "SZ" den Architekten Ole Scheeren, der spätestens mit dem CCTV-Turm in Peking aus dem Schatten von Rem Kohlhaas getreten sei.
Der Plagiatsexperte Philipp Theisohn freut sich in der "NZZ" über Durs Grünbeins Hegemann-Scherz. Die "Berliner Zeitung" analysiert das Internet mit den Mitteln von Deleuze. Die "FAZ" feiert Caravaggio.
Die "SZ" bringt nochmal mehrere Sonderseiten zum Fall Hegemann. Jakob Michael Reinhold Lenz ist nicht Kurt Cobain, erfahren wir von Frank Castorf in der "taz". Die "NZZ" fragt: Wie weit liegt der Osten im Westen?
"Dass jeder Satz und jeder Dialog durchatmet und durchströmt wird von der Inspiration einer großen Schöpferin": Durs Grünbein verteidigt feierlich Helene Hegemann in der "FAZ". BoingBoing rätselt über das Phänomen der singenden Hunde.