TV-Tipps
Der Depressive und der Eingeschleuste
Mo., 17. Januar 2011

23.30 Uhr, HR: Control (Control). GB/USA/AUS/JP 2007, Regie: Anton Corbijn

23.30 Uhr, SWR: URO (URO). N 2006, Regie: Stefan Faldbakken


Zitat des Tages: Spekulation mit Halbgarem
15. Juni 2010
Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz über den Niedergang des Journalismus: “Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld. Sein Hauptgeschäft ist nicht mehr der s […]

In der Folterkammer sozialer Netzwerke
1. Juni 2010
Früher waren es die Adressbücher, die als Ausgangsbasis für politische Verfolgung dienten, heute kann es der Facebook-Account werden. So mussten die Ägypter Esraa Abdel Fattah Ahmed Raschid und Ahmed Maher die Gründung der Gruppe “April 6 Youth Movement” auf Facebook, in der sie sich mit streikwilligen Industriearbeitern solidarisierten, mit […]

Huch, ich bin digitale Avantgarde!
19. März 2010
35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind noch immer digitale Außenseiter, wie eine Studie der Initiative D21, einer Partnerschaft von Politik und Wirtschaft zur Stärkung der Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert, feststellt. Das Durchschnittsalter der Internetverweigerer liegt ihrzufolge bei 62,4 Jahren. Dass die Internetnutzung vor allem eine […]

Zitat des Tages: Hammerklavier-Sonate
15. März 2010
Thierry Chervel, Gründer und Chefredakteur des Perlentaucher, zu dem von FAZ und Süddeutscher geäußerten Vorwurf, dass seine Presseschau sich der Arbeit anderer Leute bediene: “Es stimmt natürlich, dass wir von der Arbeit anderer Leute leben – so wie Journalismus immer von der Arbeit anderer Leute lebt. Was ist es anderes beim Feuilleton oder be […]

Internetnutzung - ein Grundrecht
9. März 2010
Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]

Zitat des Tages: Kannibalismus
9. März 2010
Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung: “Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen […]

Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung
4. März 2010
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]

Kerben im Ozean
25. Februar 2010
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]

Ein Lob auf die Intertextualität
25. Februar 2010
Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel. Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25. Februar 2010 Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, […]

Zitat des Tages: Hacker
19. Februar 2010
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]

Zitat des Tages: Aldisierung
17. Februar 2010
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschlands: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünft […]

Zitat des Tages
17. Februar 2010
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]

Produktion ohne Logo
12. Juni 2009
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]

Leidenschaft statt Larmoyanz
8. Juni 2009
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]

Berliner Trauerspiele
8. Juni 2009
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]

Barack Obama: Assalaamu alaykum
5. Juni 2009
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]

Von Menschen und Kühen
3. Juni 2009
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]

Mehr Verantwortung bitte!
29. Mai 2009
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]

Warum auch eine Nullzinspolitik nicht hilft
23. Mai 2009
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]

Digitalisieren ja, Download nein
14. Mai 2009
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]

Fundstücke

Zitat des Tages: Spekulation mit Halbgarem

Der ehemalige Chefredakteur der Frankfurter Rundschau Wolfgang Storz über den Niedergang des Journalismus:

“Wäre der politische Journalismus selbstkritisch, er würde seinen Charakter und sein Geschäftsgebaren in der Finanzindustrie wiedererkennen; bloß der Rohstoff ist ein anderer, Informationen statt Geld. Sein Hauptgeschäft ist nicht mehr der solide Handel mit verlässlichen Nachrichten und erklärenden Analysen, sondern die immer riskantere Spekulation mit Halbgarem. (…) Die Jäger fantasieren sich den publizistischen Braten fett. Die Spekulanten gieren nach Rücktritten und Krisen. Eine Elitenvernichtungsmaschine auf Hochtouren: täglich ein Messias, täglich ein Hingerichteter.”

Wolfgang Storz: Wir Meinungsspekulanten. taz, 14. Juni 2010

Fundstücke

In der Folterkammer sozialer Netzwerke

Früher waren es die Adressbücher, die als Ausgangsbasis für politische Verfolgung dienten, heute kann es der Facebook-Account werden. So mussten die Ägypter Esraa Abdel Fattah Ahmed Raschid und Ahmed Maher die Gründung der Gruppe “April 6 Youth Movement” auf Facebook, in der sie sich mit streikwilligen Industriearbeitern solidarisierten, mit Inhaftierung und Folter bezahlen. Am 6. April 2008 demonstrierten tatsächlich Tausende am Industriestandort Mahalla al-Kubra gegen die Privatisierungspolitik von Mubarak.

Mona Sarkis: Kein Schutz vor Rache. Neue Zürcher Zeitung (NZZ), 1. Juni 2010

Fundstücke

Huch, ich bin digitale Avantgarde!

35 Prozent der Bevölkerung in Deutschland sind noch immer digitale Außenseiter, wie eine Studie der Initiative D21, einer Partnerschaft von Politik und Wirtschaft zur Stärkung der Informationsgesellschaft im 21. Jahrhundert, feststellt. Das Durchschnittsalter der Internetverweigerer liegt ihrzufolge bei 62,4 Jahren.

Dass die Internetnutzung vor allem eine Generationenfrage ist, wussten wir schon lange, dass die ältere Generation prozentual wächst, weil die geburtenstarken Jahrgänge älter werden und die Jungen sich seit dem “Pillenknick” nicht genügend fortpflanzen, auch. Wer also eins und eins zusammenzählt, kann sich über die Ergebnisse einer Studie der Initiative D21 kaum wundern, die besagt, dass 35 Prozent der Bevölkerung sogenannte “Digitale Außenseiter” sind und weitere 30 Prozent nur Gelegenheitsnutzer. Erstaunlich ist es trotzdem, bietet doch das Internet für jeden Anspruch und jede Altersgruppe Informationen und Unterhaltung, Kunst, Musik und Film, Spartenwissen ebenso wie Einkaufsmöglichkeiten, Nerdforen wie Social Networks und darüber hinaus die Möglichkeit zur Teilhabe an gesellschaftlichen Diskussionen wie künstlerischem Austausch.

Man kann die Studie jedoch auch andersherum lesen: 65 Prozent nutzen das Internet mehr oder minder häufig, das ist definitiv die Mehrheit der Bevölkerung, 35 Prozent davon sogar den deutlich größten Teil ihres Tages, sei es auch nur durch vergleichsweise “simple” Anwendungen wie Email und Suchmaschinen.

Wer aber hätte gedacht, dass wer nicht zu den Internetparanoikern und Gelegenheitsgooglern zählt, noch zu den als gesonderte Gruppe aufgeführten, zu 78 Prozent männlich dominierten Nerds und Technikcracks und das Internet privat und beruflich und mehr als acht Stunden täglich nutzt, sich gleich bei der “trial and error”-Fraktion der digitalen Avantgarde wiederfindet und im übrigen zu den elitären sage und schreibe drei Prozent der Gesellschaft gehört, die sich ein Leben ohne Internet nicht mehr vorstellen können?!

Große Mehrheit der Deutschen ist nicht Teil der digitalen Gesellschaft. Presseinformation der Initiative D21 vom 18. März 2010

Vollständige Studie zum Download oder als E-Paper auf: www.digitale-gesellschaft.info

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Zitat des Tages: Hammerklavier-Sonate

Thierry Chervel, Gründer und Chefredakteur des Perlentaucher, zu dem von FAZ und Süddeutscher geäußerten Vorwurf, dass seine Presseschau sich der Arbeit anderer Leute bediene:

“Es stimmt natürlich, dass wir von der Arbeit anderer Leute leben – so wie Journalismus immer von der Arbeit anderer Leute lebt. Was ist es anderes beim Feuilleton oder bei der Kritik an einem Roman, an dem der Autor drei oder vier Jahre gearbeitet hat und der in 150 Zeilen erledigt wird. Kultur ist nichts anderes, als das permanente Gespräch mit anderen. Wenn sich Journalisten hinstellen und so tun, als wären sie die Erfinder der Hammerklavier-Sonate, machen sie sich Illusionen über ihren eigenen Beruf.”

“Currywurst-Bude” Perlentaucher. Thierry Chervel im Interview. meedia.de, 15. März 2010

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Internetnutzung - ein Grundrecht

Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC.

Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der Länder rief er dazu auf, das Internet als Teil der Infrastruktur aufzufassen, genau so wichtig wie Straßenbau, Müllabfuhr und Wasserversorgung.

Einige der Befragten sagen zugleich auch Gefahren in der Internetnutzung. Dabei rangierten die Furcht vor Betrug, die Kritik an gewaltsamen und sexuellen Inhalten und die Furcht vor Angriffen auf die Privatsphäre deutlich vor der Angst vor Zensur und der Ausweitung der Macht der Konzerne. Das Gefühl, seine Meinung im Internet nicht unbeschadet frei äußern zu können, wurde vor allem in Japan, Süd-Korea und Deutschland mit großer Mehrheit genannt.

Internet access is ‘a fundamental right’. BBC World, 9. März 2010

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Zitat des Tages: Kannibalismus

Jean Ziegler, Schweizer Soziologe, Kapitalismuskritiker und ehemaliger UN-Sonderbeobachter für das Recht auf Nahrung:

“Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Die Kosmokraten, die neuen Feudalherren, üben heute eine Macht aus, die Adel, Könige und Päpste früherer Jahrhunderte niemals erreichten.”

Jean Ziegler: “Es gibt immer Hoffnung” (Interview). taz, 9. März 2010

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Verfassungsgericht kippt Vorratsdatenspeicherung

Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wurde flächendeckend erfasst, wer mit wem, wann, wie lange und von wo aus kommuniziert. Mithilfe dieser Daten lassen sich nicht nur Gruppenzugehörigkeiten, Kontaktgewohnheiten und die Intimsphäre der Bürger ausforschen, sondern sogar Bewegungsprotokolle erstellen.

Wie Sprecher der Deutschen Telekom und anderer Anbieter wie Vodafone erklärten, hätten sie bereits gestern unmittelbar nach der Urteilsverkündung keine Daten mehr herausgegeben und mit der Löschung der gesammelten Daten begonnen (>Golem). Der Datenmenge wegen werde dies aber einige Zeit in Anspruch nehmen.

Die EU-Richtlinie war schon von Anfang an umstritten (>FAZ). Zunächst konnten sich EU-Parlament und Ministerrat nicht einigen, anschließend weigerten sich einzelne europäische Länderregierungen wie Schweden und Österreich, die Richtlinie umzusetzen. In anderen Staaten wie jetzt in Deutschland und zuvor in Rumänien und Bulgarien kippte das Verfassungsgericht die jeweiligen nationalen Umsetzungen der Richtlinie.

Datenschützer kritisierten vor allem, dass die Vorratsdatenspeicherung die Bürger unter Generalverdacht (>detektor.fm) stelle und dass es keine Transparenz gebe, wer mit welcher Begründung die gesammelten Daten abrufen und nutzen könne.

Jasper von Altenbockum: Die Richtlinie, nach der sich nicht alle richten. FAZ, 4. März 2010

Vorratsdatenspeicherung: Löschen statt Lauschen. www.anwalt.de, 4. März 2010

Fundstücke

Kerben im Ozean

Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser noch beschreiten darf. Die Gesetze des (privaten) Eigentums statt des Freibeutertums beginnen schon sich durchzusetzen.

Kathrin Passig und Holm Friebe: Gekerbter Datenraum. Berliner Zeitung, 25. Februar 2010

Fundstücke

Ein Lob auf die Intertextualität

Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel.

Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25. Februar 2010

Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, 6. März 2008

Jonathan Lethem: The ecstasy of influence: A plagiarism. Harper’s Magazine, Februar 2007 (englisches Original)

Jonathan Lethem: Autoren aller Länder, plagiiert euch! Literaturen, Juni 2007, S. 59 (deutsche Übersetzung)

Nachtrag vom 18. März 2010

Julia Kristeva: “Seitenweise Text abschreiben - das ist keine Intertextualität”. Interview mit Julia Kristeva. Die Welt, 18. März 2010

Zu Helene Hegemanns Roman “Axolotl Roadkill”, der die Plagiats- und Intertextualitätsdiskussion auslöste, siehe auch: Axolotl Roadkill

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Zitat des Tages: Hacker

Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein:

“Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz erregt den heiligen Sportsgeist, der oft genug dazu führt, dass technische Hindernisse obsolet gemacht werden. Nach einer Weile stellt sich die Erkenntnis ein, dass fast jedes System von seinen künstlichen Fesseln befreit und fast jede Sicherheitsmaßnahme umgangen werden kann, wenn nur genug Zeit, Energie und manchmal auch Geld für Werkzeuge und Hardware in das Problem fließen. Marketing-Gefasel stört nur, es geht um Dokumentation des Gefundenen und präzise Details.”

Constanze Kurz: Aus dem Maschinenraum - Der Hacker. FAZ, 19. Februar 2010

Fundstücke

Zitat des Tages: Aldisierung

Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschlands:

“Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünftige und Zuverlässige. Für den ehemaligen Aldi-Manager Dieter Brandes sind das die Erfolgsattribute der Albrechts. Er könnte auch von deutschen Autos reden. Oder von deutschen Fußballern. Die waren immer einfach, zuverlässig und Aldi.”

Josef Engels: Bundesrepublik Aldi. Welt Online, 17. Februar 2010

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Zitat des Tages

Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz:

” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. (…)

(Auf geisteswissenschaftlichen Symposien…) triumphieren die Vorsichtigen, welche bedingungslos die Konsens-Meinungen ihres Lehrstuhls oder ihrer Forschergruppe bestätigen. Korpsgeist wird mehr denn je belohnt im Zeitalter der massiven Forschungsförderung. Riskantes Denken von Individuen ist weniger gefragt.”

Hans Ulrich Gumbrecht: Symposien-Kultur in der Exzellenz-Hektik: Über den Preis und die möglichen Wirkungen neuerer akademischer Sitten. Neue Zürcher Zeitung, 17. Februar 2010

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Produktion ohne Logo

Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalten werden können, die Arbeiter hätten mit ihren Gewinnen die eigenen Abfindungen erwirtschaftet. In dem Dokumentarfilm The Take hatte Naomi gemeinsam mit ihrem Mann Avi Lewis im Argentinien der Wirtschaftskrise die Übernahme einer Fabrik durch Arbeiter begleitet.

Naomi Klein: Feuert die Bosse! FR, 12. Juni 2009

The Take/La toma. KDN 2004, Drehbuch: Naomi Klein, Regie: Avi Lewis


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Leidenschaft statt Larmoyanz

Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie.

Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehlte es gerade noch, dass es bei ihnen zugeht wie beim ZDF - dass also die politischen Parteien glauben, sie könnten sich nicht nur den Chefredakteur beim ZDF, sondern auch noch den bei der taz aussuchen.” Zugleich räumt er auf mit der unsinnigen Debatte über guten Journalismus und schlechte Blogs und fordert stattdessen wieder Verleger und Journalisten, die Haltung und Leidenschaft beweisen, in welchem Medium auch immer sie publizieren.

Heribert Prantl: Die Zeitung ist wichtiger als die Deutsche Bank. SZ, 8. Juni 2009

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Berliner Trauerspiele

Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfalls nicht an. Sie müssen im Gegenteil noch unter Kürzungen leiden, denn ihre Projekte sind von den kommunalen Kassen abhängig, und dort wird gespart.

17,3 Millionen fließen in die Sanierung des Hauses der Berliner Festspiele in der Schaperstraße. Doch das Haus gehört der Stadt nicht einmal. Sie hatte es 1999 an eine Hamburger Investorengruppe verkauft und zurückgemietet. Der Mietvertrag läuft noch bis 2020. Dann wird das Haus womöglich ohnehin abgerissen und das attraktive Grundstück neu bebaut.

Birgit Walter: Oben Füllhorn, unten Armut. Berliner Zeitung, 8. Juni 2009

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Barack Obama: Assalaamu alaykum

US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt.

In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt die Algebra, Kompass und Federhalter, großartige Bauwerke, kalligraphische und poetische Meisterleistungen beschert hat. Er wandte sich an den friedfertigen Islam als Partner in einer neuen globalisierten Weltordnung, sprach aber auch Konfliktpunkte an: die extremistische Gewalt (ohne das Wort “Terrorismus” zu verwenden), den Nahost-Konflikt, den Atomwaffensperrvertrag, Demokratie, Religionsfreiheit und Frauenrechte. Er versprach zugleich mehr Investitionen in partnerschaftliche Bildungs- und Austauschprogramme, Stiftungen, Unternehmen und grüne Energie. [...]

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Von Menschen und Kühen

“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.”

Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums leidet. Dieses Wachstum bedeute heute keinen Zuwachs an Wohlstand für alle mehr, sondern werde nur noch durch Reparaturleistungen geschaffen: vom kaputten Haus über die kaputten Familien und kaputten Geistes- und Körperzustände.

Nach dem Rausch des Marktes kommt der Kater. Und zugleich bläht sich schon die nächste Blase auf, dank der Billionen, die die Regierungen in den Markt pumpen wie ein Süchtiger, der sich den nächsten Schuss setzt, um die Entzugserscheinungen zu überwinden. Beim nächsten Crash, prophezeit der Wirtschaftsweise, wackelten dann Unternehmen, Banken und Staaten.

Dann wären wir wieder bei der Theologie. Es ist wohl eher das, was Menschen von Kaninchen und Kühen unterscheidet. Die sehen zumindest das Gras wachsen.

Meinhard Miegel: 2015 - das Jahr der finalen Krise. FAZ, 3. Juni 2009

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Mehr Verantwortung bitte!

Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Regeln schaffen, die alle am Markt Beteiligten wieder mehr zur Verantwortung zögen. Dies gilt für Banken, die risikobehaftete Kredite in undurchschaubaren Papieren verbrieften und weiterverkauften, gleichermaßen wie für Anleger, die nur auf die Rendite schauten, ohne zu hinterfragen, wie sie erwirtschaftet werde.

Paul Kirchhof: Der Schaden der anderen. FAZ, 29. Mai 2009

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Warum auch eine Nullzinspolitik nicht hilft

Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer Sicherheiten bieten und Eigentum verpfänden kann, erhält Kredit oder wie Woody Allen es ausdrückte: Banken sind Institutionen, die Geld an Leute verleihen, die nachweisen können, dass sie es nicht brauchen. Wer auf die Sicherheiten verzichtete, ließ es sich mit hohen Zinsen bezahlen.

Heinsohn entlarvt unsere Marktwirtschaft als das, was sie eigentlich ist, keine – wie oft suggeriert wird – vom Tauschhandel herrührende Produktions- und Geldwirtschaft mehr, sondern vielmehr eine “Eigentumswirtschaft”, bei der nicht der Besitz und optimale Tausch von Gütern Mehrwert schaffen, sondern Eigentum und Verfügbarkeit die Grundlage für ein Wirtschaften bilden, das nur nur durch permanente Innovation vor dem stets drohenden Ruin gerettet werden kann.

Gunnar Heinsohn: Die nächste Blase schwillt schon an. FAZ, 22. Mai 2009

Fundstücke

Digitalisieren ja, Download nein

In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoßen. Nicht zulässig sind dagegen nach Meinung des Landgerichts der Download, die Speicherung und Vervielfältigung der Dateien auf Wechselmedien wie USB-Sticks. In der Möglichkeit zum Download erkannten die Richter einen Rechtsverstoß.

Jürgen Kaube: Studieren geht über Kopieren. FAZ, 14. Mai 2009