Kaurismäki und Louis Malle Do., 11. März 2010
20.15 Uhr, Arte: Lampedusa (Lampedusa). F/IT 2002, Regie: Emanuele Crialese
22.25 Uhr, 3sat: Der Mann ohne Vergangenheit. Regie: Aki Kaurismäki
22.45 Uhr, rbb: Robert Havemann - Porträt eines Unangepassten. Dokumentarfilm. D 2010, Regie: Margit Geßner
23.45 Uhr, rbb: Losers and Winners. Abbruch West. D 2006, Regie: Ulrike Franke, Michael Loeken
23.45 Uhr, SWR: Lagerfeld Confidential (Lagerfeld Confidential). Dokumentarfilm. Regie: Rodolphe Marconi
00.45 Uhr, Arte: Pretty Baby (Pretty Baby). USA 1977, Regie: Louis Malle
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Von Claudia Wente | Freitag, 26. Februar 2010
Portrait of the Fighter as a Young Man (Portretul luptătorului la tinereţe) von Constantin Popescu ist die rumänische Variante von Tarantinos Inglourious Basterds, den er noch um 3 Minuten an Länge schlägt: nahezu drei Stunden Partisanengemetzel in den Karpaten.

Wie Quentin Tarantino stellt auch Constantin Popescu eine zusammengewürfelte Gruppe von Widerstandskämpfern in den Mittelpunkt, deren einziger Lebenszweck darin zu bestehen scheint, gegen ein ebenso übermächtiges wie entmenschlichtes System anzukämpfen, indem sie so viele von dessen Repräsentanten wie möglich abknallen, bevor das System sie selbst abknallt.
Der Unterschied liegt darin, dass das gegnerische Regime in diesem Fall kein faschistisches Hitlerdeutschland ist, sondern der mit aller Gewalt agierende kommunistische Arbeiter- und Bauernstaat der Parteischergen und Securitate-Chefs, und – entscheidender! – dass der Film auf die heroische Kraftmeierei der gutgelaunt metzelnden Tarantino-Figuren gänzlich verzichtet, sondern vielmehr danach fragt, was in einer solchen Situation vom Menschen noch übrig bleibt. [...]
Von Claudia Wente | Dienstag, 23. Februar 2010
Die diesjährige Berlinale kapriziert sich in der Kosslick-Tradition auf sozialpolitische Thesenfilme der aktuellen lokalen wie globalen Lebenswelt. 2001 war Dieter Kosslick mit dem Ziel als Leiter der Berlinale angetreten, diese wieder mehr zu politisieren. Das ist ihm gelungen, auf Kosten des Staraufgebots und des ästhetischen (Unterhaltungs)Wertes der Filme. Doch zugleich ist die Berlinale 2010 ein Festival der leisen Töne und einer neuen politischen Innerlichkeit.

Die Berlinale 2010 zeigt sich als Festival der leisen, mitunter gar schwachen Töne, sozialpolitische Themen sind in den gezeigten Filmen oft auf die ganz persönliche Ebene hinuntergebrochen. Wir finden Einzelkämpfer, die sich in einer neuen ökonomischen Wettbewerbssituation ihren Weg suchen (Die Friseuse von Doris Dörrie, Der Räuber von Benjamin Heisenberg, Father of Invention von Trent Cooper), wir finden [...]
Von Claudia Wente | Samstag, 20. Februar 2010
Der chinesische Forumsfilm Crossing the Mountain (Fān shān) beschäftigt sich mit dem Volk der Wa und Grenzerfahrungen zwischen Menschenopfern und Moderne. Die Logik folgt dabei der Psyche der Regisseurin und strapaziert die Geduld des Publikums.

Urwald überall. Die Blätter rauschen, unbekannte Tiere maunzen, zirpen und keckern im Dickicht. Das Grün ist oben, unten, drumherum. Und sonst ist nichts. Ein junger Mann tappt mit verbundenen Augen durch das Gestrüpp, vorsichtig, endlos, Schritt um Schritt seine Umgebung ertastend. Endlos. Und endlos langsam. Ein junges Mädchen spielt Fangen mit ihm, lockt ihn und läuft wieder weg, doch er weiß nichts davon. Sie steht unbeweglich vor ihm, er lauscht lange, bemerkt sie nicht. Sie gibt keinen Ton von sich und verschwindet wieder. Er setzt seinen tastenden Gang fort. Langsam. Endlos. Die Regierungskampagne hat uns aufgeklärt, es gibt Landminen hier. [...]
Von Claudia Wente | Donnerstag, 26. März 2009
Die Patientin Deutschland ist ein komplizierter Fall. Ihren besten Regisseuren zufolge verbringt die Nation den 60. Geburtstag wahlweise beim Psychiater, im Puff oder auf dem Mond.
 Christoph Hochhäusler: Séance (c) Herbstfilm
Wer auf den Frühling hofft, der hofft vergebens. Deutscher als der Frühling bleibt der Herbst; das Höchste der Romantik hierzulande ist ein Wintermärchen. Eine fröhliche, mit sich selbst im Reinen lebende Nation werden die Deutschen auch kurz vor der Pensionierung nicht werden, wenn wir Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation wörtlich nehmen, allenfalls Kassenpatient. Ihren 60. Geburtstag verbringt die Nation entweder beim Psychiater (wahlweise wegen Depression, historisch bedingten Angstpsychosen oder Lethargie, unfähig den “Ruck”, der durch dieses Land gehen soll, zu spüren oder auch nur auszusprechen), im Puff oder auf dem Mond, jenseits von Gut und Böse in schönen Erinnerungen an ein fiktives “Deutschland” schwelgend, das aus Multifunktionsmöbeln und dem Mauerkuss besteht (Christoph Hochhäusler, Séance).
Und zwischendurch trällern alle ein paar Liedchen, wie das auf deutschen Bühnen im vergangenen Jahrzehnt so üblich war. Die im Ausstoß der Bürokratiemaschine erstickende Sekretärin der Nation kann den vielen Fragen nur ihr “Moment bitte!” in die Hörermuschel entgegenhalten, der Rest hängt in der Warteschleife und hofft vergeblich auf Antworten (Wolfgang Becker, Krankes Haus). [...]
Von Claudia Wente | Mittwoch, 18. März 2009
‘Milk’ ist eine sanfte Hommage voller Luftballons, Lächeln und Twinkies an eine Ikone aus den Anfängen der Schwulenbewegung. Harvey Milk kämpfte im San Francisco der siebziger Jahre als Stadtrat gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und fand dafür den Tod.

Nein, es ist kein surrealer Einfall von George Bataille oder Salvador Dalí, er heißt wirklich so: ‘Milk’ ist Harvey Milk und war einer der ersten bekennenden Homosexuellen, die in ein öffentliches Amt gewählt wurden. Heute gilt er als Ikone der Schwulenbewegung. 1978 wurde Harvey Milk in San Francisco Stadtrat seines Bezirks, nachdem dieser sich im Laufe der siebziger Jahre in konzentrischen Kreisen um Milks Fotoladen ‘Castro Camera’ zum Szeneviertel gemausert hatte.
Vier Anläufe und die Unterstützung nicht nur der Homosexuellen, sondern auch der Blumenkinder, Frauen und Senioren sowie eine lesbische Wahlkampfleiterin brauchte es für diesen Erfolg. Nur wenige Monate im Amt traf ihn die todbringende Kugel seines Kollegen und Konkurrenten Dan White.
Historisch gesehen war Harvey Milk nicht der erste bekennende Homosexuelle in einem öffentlichen Amt. Schon in der ersten Hälfte der siebziger Jahre bekannten sich zwei Frauen offen zu ihren homoerotischen Neigungen: Nancy Wechsler, Stadträtin von Ann Arbor, Michigan, und Kathy Kozachenko, ihre Amtsnachfolgerin.
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