Weltweit halten vier von fünf Menschen den Internetzugang für ein fundamentales Menschenrecht. Das ergab eine Umfrage zur Internetnutzung der BBC. Dr. Hamadoun Toure, Generalsekretär der International Telecommunication Union (ITU) sagte, das Internet sei das potentiell mächtigste Instrument der Aufklärung, das je geschaffen wurde. Die Regierungen der L […]
“Die kannibalische Ordnung der Konzerne ist schlimmer denn je. Letztes Jahr haben die 500 größten transnationalen Privatgesellschaften über 52 Prozent des Weltsozialprodukts kontrolliert. Die Konzerne funktionieren nach dem reinen Prinzip der Profitmaximierung. Die Kosmokraten, die neuen Feudalherren, üben heute eine Macht aus, die Adel, Könige un […]
Das Verfassungsgericht hat am Dienstag die Vorratsdatenspeicherung gekippt (>taz). Alle gespeicherten Telekommunikationsdaten müssen unverzüglich gelöscht werden. Das von der großen Koalition beschlossene Gesetz hatte die Speicherung von Kommunikationsdaten bis zu sechs Monaten zu Zwecken der nachrichtendienstlichen Auswertung vorgeschrieben. Dabei wu […]
Der große ortlose Ozean des Internet wird zunehmend territorialisiert und parzellisiert, schreiben Kathrin Passig und Holm Friebe in der Berliner Zeitung, er wandelt sich nach Gilles Deleuze und Felix Guattari vom “glatten” in einen “gekerbten” Raum. In diesem aber bestimmen Regierungen oder Megakonzerne, welche Parzelle der Leser no […]
Helene Hegemann plagiiert Airen, Durs Grünbein Gottfried Benn, Ingo Schulze Peter Ésterházy bzw. Imre Kertész; der Perlentaucher zitiert sie alle und ich verweise auf den Perlentaucher. Die Welt ist eine große Bibliothek von Babel. Warum haben Sie geklaut, Herr Grünbein? FAZ, 25.02.2010 Wenn Literatur nur auf Literatur verweist. Deutschlandradio, 06.03 […]
Constanze Kurz vom Chaos Computer Club (CCC) führt die FAZ-Leserschaft in das Reich und Selbstverständnis von Hackern ein: “Hacker sind oft Perfektionisten. (…) Sie wollen und können sich nicht damit zufriedengeben, dass ein technisches System aus Gründen eines abstrakten Geschäftsmodells beschränkt oder kastriert wird. Derlei Ineffizienz e […]
Josef Engels zur ‘Aldisierung’ Deutschland: “Aldi ist Deutschland. Wer sich solche Fußgängerzonen aus freien Stücken zugelegt hat, der mag auch solche Läden, wo alles ordentlich und immer am gleichen Platz ist. Nach dem Eingang links: der Kaffee. Dann die Marmelade. Dann die Kekse. Gegenüber der Wein. (…) Das Einfache, Vernünfti […]
Hans Ulrich Gumbrecht zum Zustand der Geisteswissenschaften im Zeitalter der Exzellenz: ” ‘Diese vom etablierten und zu bestätigenden Konsensus abweichende These möchte ich nicht vorstellen, weil ich befürchte, dann gelyncht zu werden.’ Das ist ein wörtliches Zitat – welches beileibe nicht nur einen Einzelfall zur Sprache bringt. ( […]
Die kanadische Globalisierungskritikerin Naomi Klein, die mit ihrem 2000 erschienen Buch “No Logo” bekannt wurde, beschreibt in der Frankfurter Rundschau, wo und wie sich Arbeiter weltweit solidarisiert und mit Besetzungen gegen die Schließung ihrer Fabriken demonstriert haben. In einigen Fällen habe die Produktion über Wochen aufrecht erhalte […]
Zeitungen sind systemrelevant, sie sind wichtiger als Banken, Opel oder Arcandor. Hier geht es nicht um Finanzmärkte, Kapitalismus und Renditen, sondern um die Aufrechterhaltung der Demokratie. Heribert Prantl liefert ein vehementes Plädoyer für die meinungsbildende Funktion der Presse - und ist dennoch gegen Staatssubventionen. “Den Zeitungen fehl […]
Der Kulturstaatsminister Bernd Neumann freut sich. Von dem jüngsten Konjunkturpaket der Regierung hat er 100 Millionen für die Kultur abgeschöpft. Das klingt zunächst wunderbar, doch fragt sich Birgit Walter in der Berliner Zeitung, wofür das Geld eigentlich genutzt wird. Es fließt vor allem in die Gebäudesanierung, bei den Künstlern kommt es jedenfa […]
US-Präsident Barack Obama sprach in Kairo zu den Muslimen in aller Welt. Seine Rede wurde in der islamischen Welt mit Wohlwollen aufgenommen, von Israel kritisiert und von den Europäern gelobt. In seiner Ansprache würdigte Barack Obama die Rolle des Islam als zivilisatorische Kraft, als Wegbereiter von Renaissance und Aufklärung in Europa, der der Welt […]
“Irgendwie ist es wie im Mittelalter”, findet Meinhard Miegel, “Nur dass damals alles im Dienste der Theologie stand. Jetzt steht es im Dienste des Wachstums.” Miegel ist der ‘Psychologe’ unter den Wirtschaftsweisen. Er diagnostiziert unsere Markwirtschaft als krankes System, das an einer Wahnvorstellung ewigen Wachstums […]
Der Steuer- und Verfassungsrechtler Paul Kirchhoff fordert wieder mehr Eigenverantwortung im Markt und die Aufhebung der kartellartigen Vernetzung von Banken, Großunternehmen, Rating-Agenturen und Rückversicherern. Statt funktionstüchtiger Autos solle der Staat lieber Prämien, Finanzanreize und kreditfinanziertes Wachstum abwracken und vor allem neue Reg […]
Der Sozialwissenschaftler Gunnar Heinsohn liefert die beste Erklärung der Wirtschaftskrise, die ich bisher gelesen habe. Er schlüsselt auf, warum die Zinssenkungen in Japan und den USA die Finanzkrisen weder aufhalten noch mildern konnten und warum Kredithaie trotz hoher Zinsen dennoch Zulauf an Kunden haben. Es ist das Spiel mit dem Ausfallrisiko. Nur wer […]
In der Streitsache zwischen dem Stuttgarter Verlag Eugen Ulmer und der Technischen Universität Darmstadt über die elektronische Speicherung von Lehrbüchern hat das Frankfurter Landgericht ein Urteil gefällt. Die Bibliothek darf weiterhin Lehrbücher auch digital an Leseplätzen verfügbar machen, ohne dabei gegen das Urheberrecht von Verlagen zu verstoß […]
Hartnäckigen Raubkopierern kann in Frankreich künftig der Zugang zum Internet gesperrt werden. Einer entsprechenden Gesetzesvorlage stimmte das französische Parlament beim dritten Anlauf zu.
Die FAZ bietet eine Serie zur Zukunft des Kapitalismus und der sozialen Marktwirtschaft. Der Journalist, die Lobbyistin, der Schriftsteller und der Vorstandsvorsitzende sowie der Kulturtheoretiker liefern dabei eigene Aspekte.
"Des Volkes Herz hat Rhythmusstörungen", stellt Volker Weidermann fest. Das Handbuch "Daten deutscher Dichtung" weist erstaunliche Lücken auf. Auch noch in seiner 35. Auflage von 2007 im Deutschen Taschenbuch Verlag fehlen so wichtige Namen wie Klaus Mann, Kurt Tucholsky, Irmgard Keun gänzlich oder nahezu.
Der Europa-Wahlkampf ist nicht einmal eine Farce, er findet in der Öffentlichkeit so gut wie gar nicht statt. Europa-Politiker, die in Brüssel wegweisende Entscheidungen treffen, sind hierzulande nahezu unbekannt. "Dieselben Medien, die das Europäische Parlament durchweg ignoriert haben, deuten kurz vor der Wahl das Desinteresse des Publikums als Ze […]
Portrait of the Fighter as a Young Man (Portretul luptătorului la tinereţe) von Constantin Popescu ist die rumänische Variante von Tarantinos Inglourious Basterds, den er noch um 3 Minuten an Länge schlägt: nahezu drei Stunden Partisanengemetzel in den Karpaten.
Wie Quentin Tarantino stellt auch Constantin Popescu eine zusammengewürfelte Gruppe von Widerstandskämpfern in den Mittelpunkt, deren einziger Lebenszweck darin zu bestehen scheint, gegen ein ebenso übermächtiges wie entmenschlichtes System anzukämpfen, indem sie so viele von dessen Repräsentanten wie möglich abknallen, bevor das System sie selbst abknallt.
Der Unterschied liegt darin, dass das gegnerische Regime in diesem Fall kein faschistisches Hitlerdeutschland ist, sondern der mit aller Gewalt agierende kommunistische Arbeiter- und Bauernstaat der Parteischergen und Securitate-Chefs, und – entscheidender! – dass der Film auf die heroische Kraftmeierei der gutgelaunt metzelnden Tarantino-Figuren gänzlich verzichtet, sondern vielmehr danach fragt, was in einer solchen Situation vom Menschen noch übrig bleibt. [...]
Lasst die weisen alten Männer wieder ran! Nach Beckmann gestern abend auf rbb ist klar: Nur ein Altenrat kann die Welt noch retten.
Lasst die weisen alten Männer wieder ran! Man kann ihnen vieles vorwerfen, nicht alle ihre politischen Entscheidungen mögen immer richtig gewesen sein, nicht allen ihren Forschungsaussagen kann man voll zustimmen, man mag den ein oder anderen in seiner Dauerpräsenz als arrogant und/oder machistisch empfinden, doch wo gibt es heute noch solche Männer? [...]
Die diesjährige Berlinale kapriziert sich in der Kosslick-Tradition auf sozialpolitische Thesenfilme der aktuellen lokalen wie globalen Lebenswelt. 2001 war Dieter Kosslick mit dem Ziel als Leiter der Berlinale angetreten, diese wieder mehr zu politisieren. Das ist ihm gelungen, auf Kosten des Staraufgebots und des ästhetischen (Unterhaltungs)Wertes der Filme. Doch zugleich ist die Berlinale 2010 ein Festival der leisen Töne und einer neuen politischen Innerlichkeit.
Die Berlinale 2010 zeigt sich als Festival der leisen, mitunter gar schwachen Töne, sozialpolitische Themen sind in den gezeigten Filmen oft auf die ganz persönliche Ebene hinuntergebrochen. Wir finden Einzelkämpfer, die sich in einer neuen ökonomischen Wettbewerbssituation ihren Weg suchen (Die Friseuse von Doris Dörrie, Der Räuber von Benjamin Heisenberg, Father of Invention von Trent Cooper), wir finden [...]
Wer noch immer nicht genug von der Berlinale hat, keine Karten mehr ergattern konnte oder schon wieder Entzugserscheinungen bekommt, kann im Arsenal am Potsdamer Platz noch einmal nachsitzen und diese Woche eine kleine Auswahl der Forumsfilme anschauen. Hier das Programm:[...]
Der chinesische Forumsfilm Crossing the Mountain (Fān shān) beschäftigt sich mit dem Volk der Wa und Grenzerfahrungen zwischen Menschenopfern und Moderne. Die Logik folgt dabei der Psyche der Regisseurin und strapaziert die Geduld des Publikums.
Urwald überall. Die Blätter rauschen, unbekannte Tiere maunzen, zirpen und keckern im Dickicht. Das Grün ist oben, unten, drumherum. Und sonst ist nichts. Ein junger Mann tappt mit verbundenen Augen durch das Gestrüpp, vorsichtig, endlos, Schritt um Schritt seine Umgebung ertastend. Endlos. Und endlos langsam. Ein junges Mädchen spielt Fangen mit ihm, lockt ihn und läuft wieder weg, doch er weiß nichts davon. Sie steht unbeweglich vor ihm, er lauscht lange, bemerkt sie nicht. Sie gibt keinen Ton von sich und verschwindet wieder. Er setzt seinen tastenden Gang fort. Langsam. Endlos. Die Regierungskampagne hat uns aufgeklärt, es gibt Landminen hier. [...]
Kunstwissenschaftler erkennt man daran, dass sie in Museen den meisten Spaß haben, in einem Marienbild eine Gurke entdecken oder kleinkarierte Produkte holzfreier Papiergewinnung mit den Zeugnissen ihrer Langeweile schmücken.
Condorito und die Supermachos, der tragische Eternauta, die aus Schamanenphantasie entsprungenen Figuren eines Jodorowsky und die mystischen Stadtindianerinnen aus Buenos Aires halten Einzug nach Berlin. Comics und Superhelden erfreuen sich einer eingeschworenen Fangemeinde, nun entdeckt allmählich auch die Wissenschaft das Medium, das Text und Bild auf besondere Weise verknüpft.
Im Rahmen eines Symposiums am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin debattieren vom 22.-24. Oktober Wissenschaftler aus Lateinamerika [...]
Dass Linkshänder trotz aller reformpädagogischer Ansätze und Designinnovationen noch immer einer unterdrückten Minderheit angehören, offenbart sich in den vielen Schwierigkeiten, mit denen sie bei der Bewältigung ihres hochkomplexen Alltags konfrontiert sind.
Ich bin Linkshänder. Ich bin alt genug, dass es bei mir in der Schule noch keine Linkshänderscheren gab und keine Kindergartenerzieherin von meinen Eltern angegangen worden wäre, wie sie das nicht habe merken können, dass ich Linkshänderin sei (implizit mit dem echauffierten Vorwurf: Mein Kind ist etwas ganz Außergewöhnliches, wissen Sie denn nicht, dass Linkshänder ganz besonders begabt, intelligent und vor allem überaus kreativ sind, da ihre Gehirnhälften besser vernetzt sind!).
Ich bin nicht daran gestorben, dass es bei uns im Kindergarten und in der Schule keine Linkshänderscheren gab. So habe ich eben mit rechts schneiden gelernt. Ebenso wie werfen, alle Sportarten, die Schläger erfordern, und Brot schneiden. (Das ist nicht weiter schlimm, man macht sich dann nicht von besonderen Designläden abhängig, die ihr Geschäft mit ausgefeilten Linkshändergerätschaften machen.) Das Messer gehört in die rechte Hand, die Gabel in die linke, und so übe ich konsequent alle Schneidetätigkeiten, auch das Schnitzen, mit rechts aus. Genauso wie Bogenschießen oder Degenfechten.
Handys erleichtern das Miteinander. Als schnelles, einfaches, ebenso knappbemessenes wie unaufdringliches Medium hat die sms ihren Siegeszug angetreten. Doch mitunter können 160 Zeichen ein PingPong der Synapsen in Gang setzen.
Eine Kurzmitteilung empfangen - doch, von wem?
Am Freitagabend erhielt ich eine sms eines mir unbekannten Absenders. Das heißt, allem Anschein nach war mir der Absender nicht tatsächlich unbekannt, denn irritierenderweise handelte es sich um eine in meinem Handy eingespeicherte Nummer, vollständig mit Vor- und Nachnamen versehen. Doch welche Person sich hinter diesem Namen verbarg, entzog sich gänzlich meinem Erinnerungsvermögen.
Ein erster Anflug von Alzheimer? Ein Autosave-Fehler in meinen Synapsen? Akribisch ging ich alle Parties der vergangenen Wochen durch, die neuen Arbeitskollegen und die Interviewpartner des Monats. In meinem Kopf, völlige Leere. Kein Gesicht leuchtete auf meiner Festplatte auf.
Vorsichtshalber ließ ich die Nachricht zunächst unbeantwortet. Am nächsten Morgen stieß ich in einer abgelegenen Ecke meines Gehirns auf einen Namensvetter des Schreibers, schon wollte ich eine flüchtige Aufklärungs-sms schreiben, doch nach der flugs durchgeführten Recherche am Mittag erwies sich der Familienname des Kandidaten nicht als deckungsgleich mit dem des Schreibers. [...]
Die Patientin Deutschland ist ein komplizierter Fall. Ihren besten Regisseuren zufolge verbringt die Nation den 60. Geburtstag wahlweise beim Psychiater, im Puff oder auf dem Mond.
Christoph Hochhäusler: Séance (c) Herbstfilm
Wer auf den Frühling hofft, der hofft vergebens. Deutscher als der Frühling bleibt der Herbst; das Höchste der Romantik hierzulande ist ein Wintermärchen. Eine fröhliche, mit sich selbst im Reinen lebende Nation werden die Deutschen auch kurz vor der Pensionierung nicht werden, wenn wir Deutschland 09 – 13 kurze Filme zur Lage der Nation wörtlich nehmen, allenfalls Kassenpatient. Ihren 60. Geburtstag verbringt die Nation entweder beim Psychiater (wahlweise wegen Depression, historisch bedingten Angstpsychosen oder Lethargie, unfähig den “Ruck”, der durch dieses Land gehen soll, zu spüren oder auch nur auszusprechen), im Puff oder auf dem Mond, jenseits von Gut und Böse in schönen Erinnerungen an ein fiktives “Deutschland” schwelgend, das aus Multifunktionsmöbeln und dem Mauerkuss besteht (Christoph Hochhäusler, Séance).
Und zwischendurch trällern alle ein paar Liedchen, wie das auf deutschen Bühnen im vergangenen Jahrzehnt so üblich war. Die im Ausstoß der Bürokratiemaschine erstickende Sekretärin der Nation kann den vielen Fragen nur ihr “Moment bitte!” in die Hörermuschel entgegenhalten, der Rest hängt in der Warteschleife und hofft vergeblich auf Antworten (Wolfgang Becker, Krankes Haus). [...]
‘Open Access’ ist der Versuch, das in der Computerbranche durchaus erfolgreiche ‘Open Source’-Projekt auf die Wissenschaft, ja, auf den Umgang mit Texten überhaupt, zu übertragen. Während ‘Open Source’-Projekte Programmcodes offen zugänglich machen und damit zur Weiterentwicklung freigeben, stellt eine Anwendung des Prinzips auf Wissenschaft und literarische Produktion jedoch eine ganze Wissensordnung auf den Kopf.
Der Traum vom weltweit frei zugänglichen Wissen klingt verführerisch, das Internet als große Datenbank, die Erfüllung der Aufklärung, eine Demokratisierung des Wissens. Endlich können wissenschaftliche Publikationen schnell eingesehen werden, Leser aus Afrika und Übersee, China und Neuseeland können auf Forschungsergebnisse aus Paris, London oder Berlin zugreifen und umgekehrt. Ein neues Weltverständnis, ein humboldtsches Ideal rückt näher. Soweit der Wunschtraum.
Doch die warnenden Stimmen werden immer lauter. [...]
‘Milk’ ist eine sanfte Hommage voller Luftballons, Lächeln und Twinkies an eine Ikone aus den Anfängen der Schwulenbewegung. Harvey Milk kämpfte im San Francisco der siebziger Jahre als Stadtrat gegen die Diskriminierung von Homosexuellen und fand dafür den Tod.
Nein, es ist kein surrealer Einfall von George Bataille oder Salvador Dalí, er heißt wirklich so: ‘Milk’ ist Harvey Milk und war einer der ersten bekennenden Homosexuellen, die in ein öffentliches Amt gewählt wurden. Heute gilt er als Ikone der Schwulenbewegung. 1978 wurde Harvey Milk in San Francisco Stadtrat seines Bezirks, nachdem dieser sich im Laufe der siebziger Jahre in konzentrischen Kreisen um Milks Fotoladen ‘Castro Camera’ zum Szeneviertel gemausert hatte.
Vier Anläufe und die Unterstützung nicht nur der Homosexuellen, sondern auch der Blumenkinder, Frauen und Senioren sowie eine lesbische Wahlkampfleiterin brauchte es für diesen Erfolg. Nur wenige Monate im Amt traf ihn die todbringende Kugel seines Kollegen und Konkurrenten Dan White.
Historisch gesehen war Harvey Milk nicht der erste bekennende Homosexuelle in einem öffentlichen Amt. Schon in der ersten Hälfte der siebziger Jahre bekannten sich zwei Frauen offen zu ihren homoerotischen Neigungen: Nancy Wechsler, Stadträtin von Ann Arbor, Michigan, und Kathy Kozachenko, ihre Amtsnachfolgerin.
In der "NZZ" erklärt der Autor Hans Maarten van der Brink, warum die Holländer Geert Wilders zum Premier wählen könnten. Die "FR" kommt angesichts von Dave Eggers "San Francisco Panorama" ins Schwärmen. Die "taz" ist Joanna Newsom verfallen.
"Die Zeit" verteidigt die vom Abriss bedrohte Architektur der Sechziger. Die "taz" bringt ein Interview mit dem Kapuscinski-Biografen Artur Domoslawski. Der "Guardian" weiß, womit sich Marianne Faithfull schminkte.
Auf "Telepolis" erklärt Hamed Abdel-Samad den Zusammenhang zwischen Rechtspopulismus und Islamkritik: Der erste kommt, wenn die zweite ausbleibt. In "taz" und "NZZ" sprechen iranische Autoren über die Repressionen in ihrem Land.
Die "SZ" hat einen kritischen Einwand zum Oscar für Kathryn Bigelow. Die "taz" befragt den Kapitalismuskritiker Jean Ziegler. Vielen geretteten Archivalien des Kölner Stadtarchivs geht es wie Tiefkühlkost: ihnen droht Gefrierbrand, berichtet die "NZZ".
In der "NZZ" wendet sich Gerhard Amendt gegen das Opferbild Frau. Die "taz" bringt am Frauentag gleich eine ganze Männertaz. In der "FR" erklärt der Ökonom Robert Fogel, warum das alte Europa gegenüber China zurückbleibt: Es ruht sich allzu gerne aus.
In der "FR" kommentiert Ulrich Beck das endgültige Ende des Bankgeheimnisses. In der "SZ" kritisiert der Verfassungsrechtler Christoph Möllers die Vertuschungstaktik der katholischen Kirche. Die "FAZ" beschreibt den Einfluss von Bloggern auf die Modeindustrie.
Die "Welt" schildert die Folgen von Bevölkerungs- und Steuerschwund am Beispiel von Dessau. Die "taz" erwägt das Für und Wider eines Films über Rudi Dutschke und der "Tagesspiegel" rät angesichts des Erfolgs des Populisten Geert Wilders, Politik den Bürgern klarer zu erklären.
In der "FR" erzählt Liao Yiwu, wie ihn das Gefängnis zum Reportageschriftsteller machte. In der "NZZ" trägt der Theologe Friedrich Wilhelm Graf zur weiteren Ernüchterung Margot Käßmanns bei. Die "FAZ" hat ein Gespräch zwischen Heiner Geißler und Peter Sloterdijk beobachtet.
Liao Yiwu schickt seinen deutschen Lesern einen Trauergesang - die "taz" veröffentlicht ihn. Der "NZZ" geht das Urteil zur Vorratsdatenspeicherung nicht weit genug. In der "Welt" spricht Tahir al-Kadri eine Fatwa gegen Selbstmordattentäter aus.
Die Diskussionen um Ryszard Kapuscinski gehen weiter. Laut "Welt" war er parteilich und nahm es mit der Wahrheit nicht so genau. In der "NZZ" erklärt Martin Pollack, warum er die Biografie nicht übersetzen will - nicht wegen ihrer Enthüllungen, sondern wegen ihres Tons.
Die "SZ" berichtet über die Demontage eines Denkmals in Polen: Ryszard Kapuscinski wird vorgeworfen, dass er dem Regime nahe stand - und ganz schön geflunkert hat. Die "NZZ" hat herausgefunden, dass Brooklyn inzwischen angesagter ist als Manhattan.
Die "taz" war dabei als Frank Schirrmacher Martin Walser pathologisch nannte und Walser Schirrmacher quotensüchtig. In der "FAZ" erklärt die "Human-Resources-Managerin" Anke Maruschka, wie man seinen Mitarbeitern kündigt. Die "NZZ" sinniert über das Klavier. Das und mehr im Wochenend-Perlentaucher.
Die "NZZ" präsentiert Michael Landys Kunstabfallcontainer. Die "FAZ" feiert Michael Lentz' Sprache der Liebe, die "SZ" den Architekten Ole Scheeren, der spätestens mit dem CCTV-Turm in Peking aus dem Schatten von Rem Kohlhaas getreten sei.
Der Plagiatsexperte Philipp Theisohn freut sich in der "NZZ" über Durs Grünbeins Hegemann-Scherz. Die "Berliner Zeitung" analysiert das Internet mit den Mitteln von Deleuze. Die "FAZ" feiert Caravaggio.